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Gewalt in der Ehe: "Erzählen Sie mal als Mann, dass Ihre Frau Sie geschlagen hat"

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"Erzählen Sie mal als Mann, dass Ihre Frau Sie geschlagen hat"

22.07.2008, 13:42 Uhr | Sonja Vukovic

Auch Frauen schlagen ihre Partner. (Foto: imago)Auch Frauen schlagen ihre Partner. (Foto: imago)Sie werden geschlagen und wehren sich nicht. Sie werden gedemütigt und reden nicht darüber: Für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, gibt es in Deutschland kaum Zufluchtsorte. Ein gemeinnütziger Verein aus Oldenburg bietet ihnen Unterschlupf.

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Zuflucht im Männerhaus

"Frauen haben keinen Zutritt zu dem Apartment", sagt Reiner W.* Ihn und die drei anderen Männer, die an diesem Nachmittag an dem gedeckten Kaffeetisch mit feinem Porzellan beisammensitzen, verbindet ein gemeinsame Beziehungserfahrung: Vor ihren Lebensgefährtinnen sind sie hierher geflüchtet, aus einem Alltag, in dem Gewalt und Demütigungen auf der Tagesordnung standen - sie selbst waren die Opfer. Das grau verputzte Reihenhaus bei Bremen ist Deutschlands wohl einziges Männerhaus. "Männersache" steht auf dem Klingelschild. In den Zimmern stehen Blumen auf den Fensterbänken, auf dem Teppichboden liegt Playmobil-Spielzeug verteilt.

Immer wieder Schläge - trotz Paartherapie

Wenn Jörn, wie an diesem Nachmittag, von seiner Ehe erzählt, dann tasten seine Augen ziellos den Raum ab. Beinahe zwei Jahrzehnte währte seine Beziehung zu einer acht Jahre älteren Frau. Aber nur wegen der sechs Paartherapien, die er initiiert habe, sagt der 39-Jährige. Von den beiden gemeinsamen Kindern sei eines "mehrfach schwerstbehindert". Seine Frau habe den Umstand nicht ertragen, ihre Verzweiflung habe die Mutter mit "unvorhersehbaren" verbalen und tätigen Attacken am Ehemann ausgelassen.

"Sie warf mit Geschirr nach mir"

An einem Tag im April 2006 der Eklat: "So hatte ich sie noch nie erlebt. Sie warf mit Geschirr nach mir", erinnert sich der Diplom-Sozialpädagoge. Durch seine Arbeit als Leiter einer Kindertagesstätte wusste er von der "Männerwohnhilfe". Wenige Stunden nach dem Vorfall zog er dort ein. Heute weiß er: "Es war besser so", der Kinder wegen, um deren Sorgerecht er derzeit vor dem Familiengericht kämpft.

Männerhaus entstand aus Partylaune

Die Männerwohnhilfe entstand aus einer Partylaune heraus. Vor acht Jahren befand eine Runde Männer bei einer Feier, es müsse doch auch einen Ort geben, wo man(n) sich vor den Frauen zurückziehen kann. Beruflich im sozialen und sozialpädagogischen Bereich tätig, fanden Diskussionsteilnehmer die Idee am Morgen immer noch richtig und wichtig: "Aus unserem Berufsalltag haben wir die Erkenntnis, dass Frauen, wenn Emotionen zur Entladung kommen, alles in die Hand nehmen, um sich auch körperlich gegen ihre Männer durchzusetzen", erklärt Wolfgang Rosenthal, einer der Mitbegründer der Herrenherberge.

Forscher: Frauen schlagen öfter mit Waffe zu

Das bestätigt auch Bastian Schwithal, Forscher in der Partnerschaftssoziologie. 2005 veröffentlichte er seine Dissertation "Weibliche Gewalt in Partnerschaften" als Buch. "Männer und Frauen verüben Gewalt gegenüber Intimpartnern im etwa gleichen Maße", sagt Schwithal. Tätliche Übergriffe, ausgeübt von Männern, endeten häufiger tödlich, so der Soziologe, Frauen dagegen setzten öfter Gewaltmittel und Waffen ein, um "ihre geringere körperliche Stärke in Streitsituationen auszugleichen".

Gewaltschutzgesetz - Männern nützt es nur wenig

Das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz nütze Männern aber nur wenig, sagt Wolfgang Rosenthal von der Männerwohnhilfe. "Auf dem Papier heißt es zwar: Wer schlägt, muss gehen - das Opfer bleibt in der Wohnung. Aber erzählen Sie mal als Mann einem Polizisten, dass Ihre Frau Sie geschlagen hat. Selbst wenn Sie den Mut aufbringen, Anzeige gegen Ihre Partnerin zu erstatten, kommt es aus Gründen der geringen Schuld oder aus mangelndem öffentlichen Interesse nie zum Verfahren", sagt er. Deswegen seien Männer als die Opfer häuslicher Gewalt oft zweifach die Leidtragenden. Nach den Peinigungen müssten sie dann auch noch die Wohnung und damit ihre Kinder verlassen, sagt Rosenthal. Meist folge ein "Schrecken aus Scheidungsschlacht und Sorgerechtskrieg".

Mit Stuhl verdroschen

Was das bedeutet, weiß Reiner W. nur zu gut. Der Musiker, 50 Jahre alt, ist 1,70 Meter groß, 63 Kilogramm schwer und hatte seiner langjährigen Lebensgefährtin nie viel entgegenzusetzen, wenn sie "mit einem Stuhl auf mich einschlug oder zugetreten hat". Er habe "unglaubliche Erfahrung mit einer gewalttätigen, herrschsüchtigen Frau" gemacht, gibt Reiner W. an.

*Name von der Redaktion geändert

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Quelle: Spiegel Online

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