02.11.2006, 13:15 Uhr | Ariane Steinmetz, sum
Wenn die Winterzeit anbricht, finden Deutschlands Solarien regen Zulauf. Vielen sehnen sich in der kalten Jahreszeit nach Wärme und Licht. Rund 16 Millionen Deutsche gehen regelmäßig ins Sonnenstudio. Doch zuviel künstliche Sonne kann die Gesundheit gefährden. Das Dermatologische Zentrum Buxtehude rechnet künftig mit 140.000 Neuerkrankungen durch Hautkrebs pro Jahr. Bislang waren die Experten von 120.000 neuen Fällen ausgegangen. Nur wer sich an gewisse Regeln hält, kann die Sonne aus der Steckdose unbesorgt genießen. Tipps für den richtigen Umgang mit der künstlichen Sonne finden Sie hier:
Richtige Bräune Acht Tipps für Solariengänger
Zehn Tipps zur Krebsvorbeugung
Schon bei jungen Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren liegt das künstliche Bräunen im Trend, wie eine Umfrage des Instituts für Jugendforschung ergab. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert wegen der steigenden Zahl von Hautkrebsfällen schon lange ein Zutrittsverbot zu Solarien für Jugendliche. Auch eine Studie der Bundesregierung warnt vor einer "besorgniserregenden Zunahme von Hautkrebs". Doch ein Verbot konnte bislang nicht durchgesetzt werden. Dabei sind die Risiken enorm. "Die Schäden an den Hautzellen, die zu Hautkrebs führen, werden angelegt, wenn sich die Haut noch entwickelt", so Haut-Experte Dr. Rüdiger Greinert gegenüber "Healthy Living".
Zu den größten Sonnenbank-Sünden zählen zu hohe, zu lange und zu häufige Bestrahlungen. Wie bei Schokolade und Alkohol gilt auch für die Sonne: Die Menge macht's. „In unsere Sprechstunde kam eine Frau, die sah aus wie 60 – war aber 40 Jahre alt. Sie ist seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal pro Woche ins Solarium gegangen“, sagt Dr. Beate Volkmer vom Dermatologischen Zentrum Buxtehude. Schuld an der vorzeitigen Hautalterung sind die UVA-Strahlen. Nach neuesten Forschungsergebnissen ist UVA-Licht auch an der Entstehung von Hautkrebs mit beteiligt. "In manchen Sonnenstudios ist der Anteil der UVA-Strahlen höher als in der Tropensonne," so Volkmer.
Viele Sonnenanbeter ölen sich vor ihrem Solariumbesuch ein, um die Bräune zu intensivieren. Davon ist dringend abzuraten, da die Strahlen so tief eindringen können und die Haut verbrennen. Die Gefahr einen Sonnenbrand zu bekommen, ist an sich schon recht groß, da die Röhren oft eine unterschiedliche Strahlenintensität haben, was der Kunde nicht erkennen kann. Zudem sind die Sonnenbänke meist klimatisiert, wodurch die Strahlenintensität leicht unterschätzt wird.
Hautärzte raten davon ab, sich mehr als 50 Sonnebäder pro Jahr in Sonne und Solarium zu genehmigen. Als Vorbereitung für den Urlaub in der Sonne nutzt das Solarium nicht viel. „Diese so genannte Vorbräunung führt nämlich nicht zu einer nennenswerten Erhöhung des UV-Eigenschutzes der Haut“, so die Meinung von Dermatologen. Auch auf die Qualität der Sonnenbänke kommt es an: „Münzautomaten, bei denen der Kunde ganz auf sich alleine gestellt ist, sollten ganz gemieden werden“, rät Volkmer. Weiter empfehlen Hautärzte, bereits einige Stunden vor Besuch des Solariums keine Kosmetika und kein Parfum mehr zu benutzen. Die Solarienbenutzer sollten immer eine Schutzbrille aus UV-undurchlässigem Material tragen.
Ein weiterer Risikofaktor: Zum Teil werden die Desinfektionsmittel in den Kabinen verdünnt oder es befinden sich bereits Bakterien in der Sprühflasche. Die zur Verfügung gestellten Sprays reichen meist nicht aus, um Bakterien oder Viren zuverlässig abzutöten, wie eine Untersuchung der Berliner Universitätsklinik Charité ergab. Wer Ansteckungen mit Hefepilzen, Kolibakterien oder anderen Erregern vermeiden möchte, sollte deshalb sein eigenes Desinfektionsmittel mitbringen und die Liegefläche gründlich säubern.
Da es bis heute kein allgemeingültiges Zertifikat gibt, an dem der Verbraucher gute Solarien erkennen kann, sollte er „sein“ Solarium kritisch unter die Lupe nehmen: Richtig ausgebildetes Personal in einem empfehlenswerten Solarium wird dem Kunden ungefragt eine UV-Schutzbrille zur Verfügung stellen und den Hauttyp einschätzen. Hinweise auf mögliche Gesundheitsschäden durch die Bestrahlung gehören ebenso dazu, wie die Frage nach Hautkrankheiten und nach der Einnahme spezieller Medikamente. Außerdem sollte es in den Kabinen verständliche Gebrauchsanweisungen geben.
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Quelle: ots
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