23.01.2009, 09:17 Uhr | dpa/ali
Die Gefahr wächst, durch einen Zechenstich an einer Hirnhautentzündung zu erkranken. (Foto: Imago)Die Zahl der von Zecken übertragenen Hirnhautentzün-dungen ist im vergangenen Jahr gestiegen. Insgesamt erkrankten in Deutschland 285 Menschen an der der so genannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das sind 47 mehr als 2007, wie das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Betroffen waren vor allem Baden-Württemberg mit 130 Fällen und Bayern mit 126 Fällen. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der Erkrankungen dennoch nicht. Sie entspreche in etwa dem langfristigen Niveau, erläuterte das RKI.
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Im Jahr 2005 und 2006 hatte es mit 432 beziehungsweise 546 registrierten FSME-Fällen deutliche Ausreißer nach oben gegeben. Die Gründe dafür seien unbekannt, sagte der Zeckenexperte Prof. Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. Das Wetter könne eine Rolle spielen, mit Sicherheit gebe es aber weitere Faktoren. In zahlreichen europäischen Ländern von der Ostsee bis zur Adria schwanke die Zahl der FSME-Fälle weitgehend im Gleichtakt.
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis wird von Viren ausgelöst, gegen die es eine Impfung gibt. FSME kommt in Deutschland nur in bestimmten Risikogebieten vor, vor allem im Süden. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung Menschen, die in Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen können. Sehr viel häufiger als die FSME ist die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose. Von der bundesweit verbreiteten Bakterien-Infektion, gegen die keine Impfung existiert, gibt es jährlich etwa 80.000 bis 100.000 Neuerkrankungen. Sie lässt sich bei rechtzeitiger Diagnose gut mit Antibiotika bekämpfen.
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Zecken-Risikogebiete in Deutschland (Grafik: dpa)In den vergangenen Jahren hat sich das FSME-Virus nach Norden ausgebreitet, die Gründe dafür sind noch nicht eindeutig geklärt. Außer der Klimaerwärmung könnten laut Jochen Süssauch Veränderungen im Ökosystem eine Rolle spielen, sagt . So sei ein geringerer Einsatz von Insektengiften und Pestiziden in der Landwirtschaft vorteilhaft für Zecken und deren Wirte. Die Schwankungen in der Zahl der Erkrankungen sind dem Experten zufolge häufig auf das Wetter zurückzuführen. Zecken lieben warmes, feuchtes Wetter. So waren die Bedingungen im Jahr 2007 für die Zecken ungünstig, sodass die Zahl der FSME-Erkrankungen deutlich sank. "2007 war es im April extrem trocken und heiß", erinnerte sich der Experte. "Da konnten die Zecken nicht aktiv werden, obwohl sie hungrig waren."
Süss rät, sich unbedingt vor Zeckenbissen zu schützen. Die Blutsauger lauern oft in bodennahen Pflanzen wie Sträuchern und hohem Gras und werden ab einer Temperatur von sieben Grad aktiv. Schutz bietet helle Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt, und auf der Zecken gut zu erkennen sind. Auch eine FSME-Impfung ist empfehlenswert, sofern man in einem FSME-Gebiet wohnt oder dorthin reist. Dabei habe Deutschland Nachholbedarf, denn in den Risikogebieten sei nur etwa jeder Vierte geimpft. In Österreich liege dieser Anteil bei 88 Prozent.
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