22.04.2008, 09:47 Uhr | bri/afp
Gründliches desinfizieren der Hände kann Patienten vor Keimen schützen. (Foto: imago)Jährlich sterben bis zu 100.000 Menschen an Infektionen, die sie sich in Krankenhäusern geholt haben, so lauten Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Diese Infektionen seien noch gefährlicher als HIV und Grippe, hieß es auf einem Kongress der Gesellschaft in Berlin. Die einfachste Lösung für dieses Problem sein, die Hände häufiger zu desinfizieren.
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Grund für die Infektionen sind Keime, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können. "Wir haben eine drastische Zunahme dieser Krankheitserreger zu verzeichnen", sagt der Sprecher der DGKH Dieter Zastrow. Durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika in Krankenhäusern werden Keime allmählich resistent, selbst starke Mittel sind dann machtlos gegen die Erreger. Man spricht dann von Methillicin resistenten Staphylokokkus aureus (MRSA). Aus vormals harmlosen Bakterien, die auf der Haut von Menschen leben, sind dann gefährliche Killer geworden.
Das Problem würde dadurch verschärft, dass es in deutschen Krankenhäusern zu wenig Experten für Hygiene gebe. Bislang seien diese nur an 60 Prozent der Kliniken zu finden und lediglich fünf Prozent der Kliniken hätten einen eigenen Facharzt für Hygiene.
Doch bereits mit etwas mehr Händehygiene könnte man die Ausbreitung der Keime eindämmen. Die Belegschaften würden sich etwa nur zehn Mal pro Tag die Hände desinfizieren, kritisierte DGKH-Vorstandsmitglied Walter Popp gegenüber dem Spiegel. Mindestens dreißig Mal pro Tag wären jedoch notwendig.
Bestimmte Patienten sind besonders anfällig für die gefährlichen Keime. "Das sind alle Menschen mit geschwächtem Immunsystem, auch Diabetiker, Dialysepatienten und Menschen mit Hauterkrankungen", erklärt Dr. Nicoletta Wischnewski, Hygiene-Expertin im Robert Koch-Institut in Berlin.
Hier sei die Politik gefordert, sagt DGKH-Präsident Axel Kramer. "Ohne die gesetzliche Verankerung des Hygienefachpersonals im Infektionsschutzgesetz werden wir die Anforderungen der Hygiene nicht flächendeckend umsetzen können." Er forderte dafür zusätzliche Ressourcen und schlug vor, künftig sollten Krankenkassen nur noch Verträge mit solchen Krankenhäusern abschließen dürfen, die spezielles Personal und ein Qualitätsmanagement für Hygiene hätten.
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