02.01.2008, 12:49 Uhr | ug
Sie beißen herzhaft in den Apfel, knabbern eine Handvoll Erdnüsse oder gießen Ihren Ficus Benjamini: Plötzlich kribbelt es auf der Zunge oder es juckt im ganzen Gesicht. Solche Reaktionen sind bei Allergikern keine Seltenheit. Wer gegen eine Pollenart oder Substanz allergisch ist, sollte sich vor so genannten Kreuzreaktionen und besonders unverträglichen Nahrungsmitteln in Acht nehmen. "Sehr häufig kommt es zu einer Kreuzreaktion von früh blühenden Baumpollen wie Hasel-, Erle- und vor allem Birkenpollen und Kern- oder Steinobst wie Apfel und Kirsche", sagt Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Allergologie in Wiesbaden. Wer dagegen kein Latex verträgt, sollte nicht nur bei Kondomen, sondern auch bei exotischen Früchten wie Kiwis vorsichtig sein. Anderen Allergikern machen merkwürdige Kombinationen wie Hausstaub und Garnelen oder Beifuß und Basilikum zu schaffen. Wir sagen Ihnen, welche die häufigsten Kreuzallergien sind und wie Sie diese erkennen.
Zum Durchklicken Die häufigsten Kreuzallergien
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"Am zweithäufigsten kommt es zu Kreuzreaktionen zwischen Beifußpollen und Sellerie und verschiedenen Gewürzen", so Dr. Klimek. Aber wieso reagieren bestimmte Allergie-Typen überhaupt auf mehrere Stoffe oder bestimmte Nahrungsmittel allergisch? Der Grund: "Das Immunsystem der Allergiker ist fehlprogrammiert", erklärt Allergologe Dr. Oliver Pfaar vom Zentrum für Allergologie und Rhinologie in Wiesbaden. Zwar kann unser Organismus unzählige verschiedene Fremdstoffe unterscheiden. Doch häufig ähneln sich die allergieauslösenden Substanzen bestimmter Tier- und Pflanzenarten, so dass sie unser Immunsystem verwirren und es zu Verwechslungen kommt. "Es stuft die uns täglich umgebenden Stoffe wie Baumpollen oder Milbenkot als fremd und gefährlich ein und löst daher nach dem Kontakt mit diesen Stoffen eine Alarmreaktion aus: die typischen allergischen Symptome", sagt Pfaar.
Schnupfen, Kribbeln, Juckreiz: Die typischen Symptome treten dann auch bei Kreuzallergien auf. "Nicht jeder Allergiker ist zwar automatisch gegen Nahrungsmittel allergisch. Aber verschiedene Untersuchungen lassen darauf schließen, dass bis zu 60 Prozent aller Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter kombiniert mit einer Inhalationsallergie auftreten", so der Experte. Verzehrt zum Beispiel ein Birkenpollenallergiker frische Erdbeeren, führt das schlimmstenfalls zu Schwellungen der Mund- und Rachenschleimhäute. Bei anderen Allergikern kann der Genuss bestimmter Nahrungsmittel Hautreaktionen wie Rötungen, Magen-Darm-Beschwerden in Form von Durchfall oder Übelkeit sowie Kreislaufbeschwerden verursachen. "Darüber hinaus kann sich auch eine Neurodermitis verschlechtern oder sogar ein anaphylaktischer Schock, der lebensgefährlich verlaufen kann, entstehen", erklärt Pfaar.
Damit die allergischen Reaktionen sich nicht verschlimmern, sollten Betroffene in der akuten Pollensaison bestimmte Kreuzallergene oder Nahrungsmittel meiden. Generell ist beim Verzehr von rohen Obst- oder Gemüseprodukten erst einmal Vorsicht angebracht. Denn je naturbelassener ein Nahrungsmittel ist, desto eher kann es eine allergische Reaktion hervorrufen. Um dies zu verhindern, hilft es beispielsweise Gemüse oder Obst kurz zu dämpfen. So wird der allergieauslösende Stoff in ihnen zerstört, da viele Nahrungsmittelallergene keine Hitze vertragen. Ein weiteres Hilfsmittel: "Verschiedene Medikamente, die bei der Behandlung von Heuschnupfen-Symptomen angewendet werden, können auch bei Nahrungsmittel-Allergien helfen", so der Experte.
Für alle Allergiegeplagten ist es ratsam, sich gleich auf mögliche Kreuzallergien bei einem Facharzt testen zu lassen. "Dieser führt neben dem ausführlichen Gespräch mit den Patienten, der sogenannten Anmanese, bestimmte Haut- und Bluttests durch, um der Allergie auf die Spur zu kommen", erklärt Allergologe Prof. Dr. Ludger Klimek. "Durch eine ausführliche und aufwändige Diagnostik kann auf das verantwortlichen Nahrungsmittel beziehungsweise Allergen geschlossen werden und dies durch diätetische Maßnahmen zukünftig gemieden werden", so Klimek. Zudem zeigt die Durchführung einer spezielle Immuntherapie (SIT) bei einzelnen Kreuzreaktionen Erfolge: "Einige Studien belegen, dass die SIT auch eine Bedeutung bei der Birkenpollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie hat und diese sich unter der SIT mit Birkenpollenextrakten zumindest bei einem Teil der Patienten verbessern kann", erklärt Dr. Pfaar.
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