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EHEC und Co.: Risiko wird oft überbewertet

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EHEC und Co.: Risiko wird oft überbewertet

27.05.2011, 11:28 Uhr | dpa

Von Gurken, Tomaten und Salat rät das Robert-Koch-Institut ab. (Foto: imago)

Von Gurken, Tomaten und Salat rät das Robert-Koch-Institut ab. (Foto: imago)

Viele Verbraucher verzichten wegen der EHEC-Warnung derzeit auf Rohkost. Aber ist das rational? Über die Auswirkungen von Gesundheitskrisen wie EHEC, BSE oder Schweinegrippe auf unser Verhalten spricht Joachim Westenhöfer, Professor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, im Interview.

Wie wirken sich Ernährungskrisen wie im Fall EHEC auf das Verbraucherverhalten aus?

Westenhöfer: Ernährungsskandale und -krisen erzeugen immer dasselbe Muster: In dem Moment, in dem es eine große Medienberichterstattung gibt, wird kurzfristig der Konsum eingeschränkt oder eingestellt. Viele kriegen erst einmal Panik, und sofern dies einfach zu machen ist, verändern sie ihr Verhalten. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung bekommt aber auch gar nichts davon mit. Wenn es keine Neuigkeiten zum Thema mehr gibt, erlahmt das Interesse der Medien. Und in dem Moment kehren die Menschen zu ihren alten Essgewohnheiten zurück, insofern sie diese überhaupt geändert hatten.

Ist das ein rationales Verhalten?

Westenhöfer: Nicht immer. In der BSE-Krise wurde der Fleischverzehr erst massiv eingeschränkt, als er eigentlich schon wieder sicher war, weil die Kontrollen eingesetzt hatten.

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Warum halten uns Gesundheitskrisen so im Bann?

Westenhöfer: Verschiedene Faktoren beeinflussen die Risikowahrnehmung der Menschen. Zentral ist etwa das Gefühl, etwas nicht selbst im Griff zu haben. Subjektiv nicht kontrollierbare Risiken werden als bedrohlicher eingeschätzt - selbst kontrollierbare Risiken wie Trinken oder Rauchen als geringer. Neue Risiken werden im Vergleich zu bekannten immer überbewertet. So sterben jedes Jahr weit mehr Menschen an der saisonalen Grippe, dennoch hat die Schweinegrippe viele stärker beunruhigt. Viele sagen zudem: Entweder etwas ist ein Risiko oder es ist keines. Menschen sind schlecht in der Lage, die statistische Wahrscheinlichkeit eines Risikos einzuschätzen und das Verhalten nach solchen Prozentzahlen auszurichten. Verstärkt wird dies durch starke Bilder in den Medien.

Fett- und kalorienhaltige Speisen dominieren bei vielen ohnehin im Alltag - droht gesunde Rohkost angesichts der EHEC-Warnungen jetzt in Verruf zu geraten?

Westenhöfer: Tatsächlich sind ungünstige Ernährungsgewohnheiten auf Dauer gesundheitspolitisch viel bedeutsamer als das Verhalten in einer Krise. Aktuell kann man sich verschiedene Szenarien vorstellen. Die Aufklärung darüber, dass Obst und Gemüse gesund ist, war ziemlich nachhaltig - die meisten essen trotzdem nicht genug davon. Insofern könnte es sein, dass EHEC ein willkommener Anlass für manche ist, verstärkt auf Rohkost zu verzichten. Andere dürften bald wieder zu ihrem gewohnten Ernährungsverhalten zurückkehren.

Wie groß ist die Rolle des Wissens bei gesunder Ernährung?

Westenhöfer: Der Zusammenhang zwischen Ernährungswissen und Ernährungsverhalten liegt in der Größenordnung null. Vieles ist Gewohnheit, Gesichtspunkte wie Emotion oder sozialer Kontext spielen eine große Rolle.


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