
29.04.2011, 13:45 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Die eigene Karriere hängt auch von passenden Garderobe ab. (Foto: imago)
Jedes Unternehmen hat seinen eigenen Dresscode. Doch allgemein gilt: Ein klassischer Anzug und die passenden Accessoires sind ein Image- und Karrierepusher. Hier ein paar Regeln für alle, die vorwärts kommen wollen.
Schlampige oder gar ungepflegte Garderobe wird in den meisten Jobs nicht gern gesehen. Doch selbst, wer sich sauber und ordentlich kleidet, tut sich manchmal keinen Gefallen mit dem, was er anhat. Kleidung ist ein Signal, das Chefs, Kollegen und Kunden sehr wohl registrieren - nur eben oftmals nicht so, wie vom Träger gewünscht.
Wissenschaftler haben bereits vor Jahren belegt: Ein guter Eindruck hängt zu 55 Prozent von der Optik ab, auf Stimme und kommunikative Fähigkeiten entfallen 38 Prozent. Nur sieben Prozent des Eindrucks gehen wirklich auf Inhalte zurück. Das richtige Outfit ist somit ein Teil der persönlichen Visitenkarte.
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Wer in der Hierarchie aufsteigen will, sollte deshalb ein paar Regeln befolgen. Die wichtigste: Lieber overdressed als underdressed ins Büro. Die Experten des Personalvermittlers OfficeTeam raten ganz konkret, sich immer einen Tick besser zu kleiden, als es die Position verlangt. So signalisiere man, dass man im wahrsten Sinne des Wortes höhere Positionen bekleiden könne.
Im Gegensatz dazu: Wer einen ungepflegten Eindruck mache oder unpassend angezogen sei, riskiere die Chance auf einen neue Job oder eine verantwortungsvollere Aufgabe, da er als weniger kompetent, weniger "passend" eingestuft werde. Christian Umbs, Director bei OfficeTeam: "Bei der Kleiderwahl ist daher Fingerspitzengefühl gefragt. Viele Chefs achten ganz genau darauf, was ihre Mitarbeiter tragen und lassen diese Beobachtungen in die Beurteilung einfließen. Zudem: Eine angemessene Garderobe signalisiert nicht nur Kompetenz, sie gilt auch als Zeichen des Respekts."
Die Aussagekraft des eigenen Outfits wird oft unterschätzt, ist auch Ulrike Mayer, Expertin für Kleidungskompetenz, überzeugt. "Vielen Führungskräften ist es eigentlich nicht so wichtig, wie sie angezogen sind. Sie greifen am Morgen eine dunkle Hose, ein helles Hemd und irgendeine Jacke. Und das sieht man, es ist eine nonverbale Botschaft. Leider eine, die beim Gegenüber den Eindruck fehlender Wertschätzung erwecken könnte. Denn in Millisekunden entsteht anhand von Aussehen, Mimik und Gestik ein Bild im Kopf des Gesprächspartners."
Ulrike Mayer macht auch Maßkonfektion und berät seit Jahren Manager in Fragen des passenden Looks. Ihre Erfahrung zeigt: Perfekte Kleidung fördert die Karriere. "Es geht nicht darum, Markenklamotten zu tragen oder jeden Trend mitzumachen - im Gegenteil. Modische Extravaganzen sind eher kontraproduktiv. Auch wer sich durch besonders exklusive Kleidung regelrecht inszeniert und in den Vordergrund schiebt, kann allenfalls kurzfristig punkten. Wenn inhaltlich nichts mehr nachkommt, fliegt er auf."
Vor allem Männer scheuen vor dem Thema Kleidung im Job häufig zurück. Dabei gibt es gerade bei ihnen eine lange Tradition des Business-Outfits: den Anzug. Und der am besten passende Aufzug für den Aufstieg heutzutage ist nach Mayers Ansicht: ein Anzug. "Ein maßgeschneiderter wohlgemerkt", sagt die Fachfrau. Denn häufig werde unterschätzt, was für einen nachlässigen Eindruck zu lange Ärmel oder schlabberige Hosen hinterlassen. "Ist das eine angemessene Hülle für das, was Sie vorhaben? Wirkt der Von-der-Stange-Look kompetent, vertrauenswürdig, professionell?", fragt sie schon mal nach, wenn Klienten preiswertere Alternativen wünschen. Ein wirklich gut sitzender Anzug mache den Träger unangreifbar, zeigt ihre Erfahrung. Damit sei Mann im wahrsten Sinne des Wortes gut gerüstet.
"Die wichtigsten Fragen, die sich Führungskräfte - und solche, die es werden wollen - am Morgen vor dem Spiegel stellen sollten, ist: Wo gehe ich heute hin? Wen werde ich treffen? Was will ich erreichen?" Eine einfache Übung, die schnell klarmacht: Wer eine Verhandlung abschließen will, sollte nicht im knittrigen Hemd erscheinen, wenn er weiter als adäquater Geschäftspartner gelten will. Wer das Börsendebüt bei potenziellen Anlegern anpreisen will, wählt besser kein himmelblaues Outfit mit Papageien-Krawatte.
Die Expertin für Kleidungskompetenz Ulrike Mayer plädiert für den klassischen Stil. Den erreiche man über Passform, gute Qualität, gute Schuhe. Gerade die Passform sei ein Schlüsselfaktor bei Männern, betont sie. "Egal, mit welcher Figur - ein gut sitzender Anzug aus englischem oder italienischem Tuch ist ein unschätzbares Highlight in der Standardgarderobe. Der muss nicht Tausende kosten, kann aber zum Beispiel einen kleinen, untersetzten Mann wie einen König wirken lassen."
Wer also in die perfekte Silhouette und guten Stoff investiert, ist schon ein gutes Stück weiter. Wie so oft im Geschäftsleben zählt hierbei aber Understatement. Es steht zudem für Seriosität. Wer besonders jung wirkt, kann mit einem eher zurückhaltenden klassischen Anzug in der Außenwirkung gewinnen, weil er ernster und seriöser rüberkommt. Karos und Streifen im Outfit wirken dagegen lässiger, könnten die Jugendlichkeit noch betonen.
Bei den Hemden braucht Mann eine Standardausstattung: jeweils ein Exemplar in weiß, hellblau, hellblau-kariert, hellblau-weiß-gestreift und rot-weißgestreift. Wer dazu Anzug-Klassiker in Blau, Schwarz oder Anthrazit kombiniert, hat bereits eine vielseitige Grundgarderobe, so Mayer.
Ein bisschen einfacher als die Herren haben es weibliche Führungskräfte mit der Kleidung. Doch auch für sie gelten Grundregeln: nicht zu sexy oder zu körperbetont. "Das heißt: Auch wenn die Kollegen Ihre weiblichen Reize schätzen und gern Körpernahes und Offenes an Ihnen sehen - besser keine tiefen Einblicke, keine aufspringenden Blusen, nicht zu viel Bein zeigen. Auch bei Frauen zählen: Stil, Passform, Qualität."
Mayer rät zum klassischen Business-Kostüm, im Zweifel sogar eher zur Hose. Gerade zierliche, zarte Frauen könnten ihren Auftritt durch maskuline Kleidung stärken. "Auch ein herber Kleidungsstil ist ein Statement. Im Gegenzug kann man zum Beispiel mit mehr Farbe oder Rundungen in der Kleidung auch das weibliche Element betonen. Das erreicht man durch einen runden Ausschnitt am Pullover oder durch ein schönes Kleid."
Die große Falle sei dabei zu knapp sitzende Kleidung. Frauen rät Mayer deshalb: Nichts bloßlegen, Blusen, Jacken oder Tops müssten noch fallen können, dürfen nicht am Körper kleben. Bei Schmuck zähle indes Zurückhaltung. Mehr als fünf Stücke - also zum Beispiel Ohrringe, Uhr, Kette und Ring - sollte eine Geschäftsfrau nicht tragen.
Die Herren der Managementetagen sind bei Accessoires häufig nur auf eines festgelegt: Krawatten. Doch auch hier kann man vieles falsch machen, warnen Experten. Ulrike Mayer gibt ihren Kunden deshalb häufig eine kurze Farbenlehre. "Rot ist die Farbe der Alphatiere. Sie signalisiert: Ich bin erste Wahl. Mit einem hellen Streifen auf rotem Grund drückt man Dynamik und einen gewissen Biss aus. Das wäre zum Beispiel eine passende Krawatte für einen Vertragsabschluss oder große Präsentationen." Blau steht indes für Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Hellere Farben wie Flieder oder Gelb könnten Kreativität oder Innovation ausstrahlen. Dies biete sich jedoch nicht in allen Branchen an, so die Expertin. Ihr Geheimtipp ist ein sattes Tannengrün.
Krawattenmuster sollte der Anzugträger nur sehr sparsam einsetzen. "Keine Tiere, keine Golfmotive oder ähnliches, das steht für Freizeit. Besser sind einfarbige Krawatten oder Streifen, kleine Tupfen oder - etwas größer geraten - die so genannten Polka-Dots. Paisley-Muster sind ein Klassiker, ebenso Allover-Prints." Je nach Geschmack und Geldbörse kann die Accessoireliste auch durch Manschettenknöpfe, Maßhemd und Einstecktuch aufgestockt werden. Vorteilhaft ist hier ein Hang zur Dezenz.
Eine Fliege ist meist ein echter Hingucker, oft Teil einer Inszenierung. "Zur Fliege gehört auch ein wenig Stilsicherheit. Wer Fliege trägt, plant keinen alltäglichen Auftritt, das zeigt schon die Optik. Mancher hat dieses Accessoire aber auch zu seinem Markenzeichen ausgebaut - wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach."
Freitags geht es in vielen Büros aus hierzulande etwas legerer zu: Viele Unternehmen erlauben ihren Anzugträgern zur Einläutung des Wochenendes den Dresscode ein wenig abzuwandeln. Die Fachleute von OfficeTeam warnen jedoch davor, allzu lässig im Büro zu sitzen. Wo grundsätzlich ein gehobener Kleidungsstil vorherrsche, seien auch freitags Jeans und Turnschuhe eher nicht passend. Der Experten-Tipp: Krawatte weglassen, Hemd durch Poloshirt ersetzen, ansonsten alles wie immer. Sportjacken besser weglassen.
Wer unsicher ist, rät Ulrike Mayer, sollte sich an den eigenen Chefs orientieren. Wenn der Vorgesetzte im offenen Hemd und ohne Schlips erscheine, dann könne man auch mal im Rollkragenpulli ins Büro kommen. "Bleibt der Chef jedoch beim angestammten Kleidungsstil und zieht selbst im Hochsommer in Meetings sein Jackett nicht aus, dann lässt man das eigene Sakko besser auch an - egal wie warm es ist."
Als Neueinsteiger in einem Unternehmen bietet sich ein wenig Internet-Recherche an. Wie präsentieren sich Mitarbeiter und Führungskräfte auf der Webseite. Meist lässt sich an den Fotos ablesen, ob auf korrekte Kleidung Wert gelegt wird, wie sehr gepflegtes Auftreten geschätzt wird. "Zudem gilt: Wer sich von Anfang auch optisch '1a' präsentiert, wird ein stärkeres Image als andere haben. Wer gleich zu Beginn patzt, kommt aus der Schublade des nicht Nachlässigen, mittelprächtig Vorbereiteten nur ganz schwer wieder raus."
Wie man sich gut und passend zum Anlass anzieht, zeigen häufig Politiker. Ulrike Mayer nennt den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und US-Präsident Barack Obama. Letzterer trage immer dann, wenn es wichtig werde eine rote Krawatte zum dunklen Anzug. Er wirke immer kompetent und gut vorbereitet, auf jeden Fall glaubwürdig.
Auch Bundespräsident Christian Wulff mache vieles richtig. "Politiker haben allerdings häufig Berater, die die Farb- und Stilrichtung vorgeben, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wer Karriere machen will und unsicher ist, sollte sich daher vielleicht ebenfalls Hilfe holen. Schon eine Farbberatung kann vor manchem Faux pas bewahren. Erfolgreicher ist, wer trägt, was zu ihm passt", sagt Mayer, die im Frühsommer ein Buch zum Thema veröffentlicht (Perfekte Kleidung fördert die Karriere, Signum).
Nicht viel falsch machen lässt sich nach Meinung aller Experten mit einem grauen Anzug und einem bügelfreien Hemd oder einer bügelfreien Bluse. Außer, dass dieses in Deutschland weit verbreitete Outfit möglicherweise nicht besonders hochwertig wirkt - was auf den Träger abfärben könnte. Ob das der Ruf ist, mit dem man eine neue Karriere-Etappe starten will, muss jeder selbst entscheiden.
Dos | Don’ts |
leicht overdressed sein | Schlabberlook |
Maßgeschneidertes | Discounter-Anzüge |
dezente Muster | Buntgeblümtes, Comic-Design |
Männer: Anzug oder Sakko und lange Hose | Männer: kurze Hosen, Outdoorkleidung |
Frauen: Röcke knieumspielend, locker körperumfließende Kleidung | Frauen: Miniröcke, tiefe Ausschnitte, durchsichtige Materialien, rückenfreie Oberteile |
Budapester, geschlossene Schuhe | Sandalen, Flip-Flops |
Tattoos, Körperschmuck bedecken | grelles Make-up, schrille Accessoires |
Quelle: Financial Times Deutschland
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