22.06.2011, 15:13 Uhr | tze
Zitternde Hände - Parkinson oder essentieller Tremor? (Foto: imago)
Es ist nicht zu verbergen, wie oft ihm die rechte Hand zittert - wenn er in einer Konferenz Notizen von einem Blatt Papier abliest oder die Kaffeetasse zum Mund hebt. Der 36-jährige Jörg gilt bei seinen Kollegen als nervöser Mensch. Andere munkeln sogar, dass er womöglich an Parkinson leidet. Aber hinter Jörgs Zittern steckt essentieller Tremor. Was es damit auf sich hat und wodurch er sich von der Parkinson-Krankheit unterscheidet.
Essentieller Tremor gehört zu den häufigsten Bewegungsstörungen. Das Zittern kann verschiedene Muskelgruppen betreffen, am häufigsten die Hände. "Essentiell" bedeutet, dass keine erkennbare Ursache wie zum Beispiel eine Erkrankung vorliegt. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DNG) tritt dieses Zittern bei fünf Prozent der über 65-Jährigen auf. Aber kann in jedem Alter beginnen - sogar schon bei Kindern.
"Bekomme ich etwa Parkinson?", fragt sich so mancher Betroffene. Doch diese Furcht ist meistens unbegründet. "Die überwiegende Anzahl der Menschen, die zittern, hat einen essentiellen Tremor und nicht Parkinson", weiß Professor Günther Deuschl, Mitglied der DNG und Leiter der Neurologischen Universitätsklinik Kiel. Der Neurologe erklärt: "Parkinson ist ein Ruhetremor. Das heißt, das Zittern beginnt, wenn der Patient die Hände ruhig ablegt oder beim Laufen die Arme baumeln lässt. Dagegen tritt der essentielle Tremor in Aktion auf, also wenn man bewusst eine Bewegung ausführen will, beispielsweise nach einer Tasse greifen."
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Die Parkinson-Krankheit geht mit weiteren Symptomen einher: Die Muskeln versteifen sich, was zu Gelenkschmerzen und Bewegungseinschränkungen führt, die Bewegungen verlangsamen sich und die so genannten Standreflexe sind eingeschränkt - Betroffene können sich dann beispielsweise in einem bremsenden Bus nicht mehr auf den Beinen halten.
Deuschl rät, plötzlich auftretendes oder stärker ausgeprägtes Zittern immer vom Arzt abklären zu lassen. Auch wenn es sich nicht um Parkinson handelt, muss die Bewegungsstörung unter Umständen mit Medikamenten behandelt werden. Außerdem helfe die klare Diagnose, Vorurteilen zu begegnen, ergänzt Deuschl. "Jeder Patient ist den Fragen seiner Mitmenschen ausgesetzt. Manche deuten das Zittern womöglich als Alterserscheinung, andere als Alkoholmissbrauch."
Die Bewegungsstörung tritt nicht plötzlich auf, sondern schleicht sich langsam ein. Wenn die Beschwerden zunehmen, schränkt das die Betroffenen erheblich im Alltag ein: "Erst benutzt man nur noch die Hand, die weniger zittert. Dann hebt man Gläser mit beiden Händen, bis man schließlich nur noch mit Strohhalm trinken kann. Beim Essen wird erst die Suppe weggelassen, dann Erbsen und andere Beilagen, die der zitternden Hand von der Gabel springen. In extremen Fällen können die Patienten nicht mehr selbstständig essen." So schildert Deuschl den Verlauf.
Essentieller Tremor hat genetische Ursachen, die noch nicht genau erforscht sind. Man man ihm nicht vorbeugen und man kann ihn nicht heilen. Patienten geraten leicht in einen Teufelskreis, weil das Zittern umso schlimmer wird, je stärker sie es kontrollieren wollen - zum Beispiel bei beruflichen Terminen. Allenfalls frühen Stadien könne man mit Entspannungstechniken gegenwirken, sagt Deuschl, doch bei stärkerem Verlauf seien Medikamente ratsam, um das Zittern zu dämpfen.
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