09.08.2011, 09:02 Uhr | cme
Diabetes: Im Frühstadium kann die Krankheit wieder verschwinden. (Foto: imago)
Mehr als sieben Millionen Deutsche leiden an Diabetes - Tendenz steigend. Die Mehrheit leidet an Diabetes Typ 2, dem so genannten Altersdiabetes. Wer die Diagnose erhält, denkt an Zuckerverbot, Insulinspritzen und Nervenschäden. Doch die Realität sieht weniger erschreckend aus: Bei früher Diagnose lassen sich die meisten Spätfolgen verhindern. Und: "Selbst nach Ausbruch der Krankheit können Sie Diabetes wieder zum Verschwinden bringen", schreibt Dr. Ellen Jahn in Ihrem Ratgeber "Diabetes Typ 2 - Wie Sie gezielt gegensteuern" (Stiftung Warentest, 2011). Voraussetzung dafür ist allerdings ein gesunder Lebensstil. Lesen Sie hier, wie Sie die Krankheit in Schach halten.
Im Gegensatz zu Diabetes Typ 1 ist Diabetes Typ 2 kein unabwendbares Schicksal. Zwar ist das Risiko zu erkranken für Menschen mit einer erblichen Veranlagung höher. Dennoch müssen verschiedene Faktoren zusammen kommen, damit die Krankheit ausbricht. So gelten Übergewicht und Bewegungsmangel als die größten Risikofaktoren für Diabetes. Dabei scheint das Bauchfett besonders gefährlich zu sein. Auch eine falsche Ernährung, Rauchen und Stress begünstigen die Erkrankung. Zudem wächst das Risiko, an Diabetes zu erkranken, mit jedem Lebensjahr.
Diabetes entwickelt sich schleichend. Die Stoffwechselkrankheit beginnt mit einer gestörten Glukosetoleranz - man spricht auch von "Prädiabetes". Das bedeutet, der Körper kann Stärke und Zucker aus dem Essen nicht mehr schnell genug in die Zellen schleusen, sodass der Blutzuckerspiegel im Vergleich zu gesunden Menschen leicht erhöht ist. Ein hoher Blutzuckerspiegel verursacht zunächst keine Beschwerden. Umso wichtiger ist es, die ersten Warnzeichen zu erkennen und sich testen zu lassen. Müdigkeit, verstärkter Juckreiz, Durst und häufiger Harndrang sind Alarmzeichen, die Sie nicht ignorieren sollten. Denn je früher die Krankheit erkannt wird, umso besser lässt sie sich in Schach halten - oft schon ohne Medikamente oder Insulin. Wer ein erhöhtes Diabetes-Risiko hat, sollte einmal pro Jahr beim Arzt die Blutzuckerwerte bestimmen lassen. Sein persönliches Diabetes-Risiko kann man mit einem Diabetes-Risiko-Test bestimmen.
Diabetiker müssen mehrmals täglich den Blutzuckerwert messen. Wie man dabei Fehler vermeidet. zum Video
Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte verursachen Schäden an Nerven, Augen und Gefäßen. Hohe Werte müssen daher gesenkt werden. Die wichtigste Maßnahme ist, Normalgewicht zu erreichen - also einen Body Mass Index von 19 bis 25. Übergewichtige, die drei bis vier Kilo abnehmen und sich regelmäßig bewegen, erreichen oft schon normale Blutzuckerwerte, schreibt Autorin Jahn in ihrem Ratgeber. Körperliche Aktivität ist einer der wichtigsten Faktoren um erhöhte Blutzuckerwerte dauerhaft zu senken. Spaziergänge und Nordic Walking sind ideal für Menschen, die bislang wenig aktiv waren. Die Deutsche Diabetes-Stiftung rät zudem, die Bewegung in den Alltag zu integrieren. Zum Beispiel kann man häufiger zu Fuß zum Einkaufen gehen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und lieber die Treppe anstatt den Aufzug benutzen.
Eine gesunde Ernährung hilft ebenfalls, den Blutzuckerspiegel zu senken. Viele denken, Kohlenhydrate seien schlecht für Diabetiker - schließlich lassen sie den Blutzuckerspiegel steigen. Doch so einfach ist es nicht. Entscheidend ist die Geschwindigkeit, mit der die Kohlenhydrate ins Blut gelangen: Während Zucker, süße Getränke und Weißbrot schnell ins Blut schießen, lassen Vollkornprodukte den Blutzuckerspiegel nur langsam steigen. Letztere werden für Diabetiker sogar ausdrücklich empfohlen. Denn die enthaltenen Ballaststoffe wirken sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus und helfen, das Gewicht in einem gesunden Bereich zu halten. Wer hingegen wenig Kohlenhydrate isst, nimmt automatisch zu viel Fett oder Eiweiß zu sich. Die Deutsche Diabetes-Stiftung rät, fünfmal täglich Gemüse und Obst zu essen, mehrmals pro Woche Hülsenfrüchte und generell Vollkornbrot zu bevorzugen.
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Prädiabetes oder Diabetes im Anfangsstadium lassen sich durch die genannten Maßnahmen oft gut in den Griff bekommen. Doch manchmal reicht das nicht mehr aus. Spätestens wenn der Blutzuckerlangzeitwert länger als drei Monate lang über sieben Prozent liegt (53 mmol/mol), raten Ärzte zur Medikamenteneinnahme. Meist wird Metformin verordnet - ein Medikament, das die Zuckerneubildung in der Leber bremst und den Zuckertransport aus dem Blut in die Muskeln verbessert. Wenn auch Medikamente nicht ausreichen, um den Blutzucker in Schach zu halten, sind Insulinspritzen erforderlich. Angst davor braucht allerdings niemand zu haben. Die Nadeln moderner Insulinpens sind so fein, dass der Einstich kaum noch zu spüren ist.
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