03.03.2011, 11:44 Uhr | dapd
Diabetes: Im Frühstadium kann die Krankheit wieder verschwinden. (Foto: imago)
Auf viele Diabetiker kommen höhere Ausgaben zu: Etwa drei Millionen Menschen mit Diabetes Typ 2 müssen voraussichtlich ihre ihre Harn- und Blutzuckerteststreifen bald selbst bezahlen. Das geht aus einer Beschlussvorlage des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hervor, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. Danach sollen Typ-2-Diabetiker, die nicht mit Insulin behandelt werden, die Teststreifen nur noch in Ausnahmefällen von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet bekommen.
Nach Auskunft von Fachleuten wird der Gemeinsame Bundesausschuss auf seiner Sitzung am 17. März eine entsprechende Verordnungseinschränkung beschließen. Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung. Hintergrund der Teststreifen-Entscheidung: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) hat befunden, dass es für die Gesundheit der meisten Typ-2-Diabetiker nicht nötig ist, regelmäßig den Blutzuckerspiegel zu messen.
Gesundheitswissenschaftler wie der Bremer Ökonom Gerd Glaeske halten die Verordnungseinschränkung für überfällig. Er verweist auf europäische Nachbarländer, in denen die Teststreifen für nicht insulinpflichtige Diabetiker schon seit längerem nicht mehr als Kassenleistung abgerechnet werden können. Es gebe "keine Evidenz darüber, die auch nur annähernd belegt, dass die Verwendung von Teststreifen bei ausschließlich mit Tabletten behandelten Diabetikern sinnvoll ist", sagte Glaeske der dapd. Wissenschaftliche Studien hätten ergeben, dass regelmäßiges Blutzuckermessen bei stabil eingestellten Typ-2-Diabetikern nur minimale Vorteile "ohne jegliche klinische Bedeutung für deren Gesundheit" biete.
Diabetiker müssen mehrmals täglich den Blutzuckerwert messen. Wie man dabei Fehler vermeidet. zum Video
Laut Glaeske gebe es durch Studien belegte Auffälligkeiten im Gesundheitssystem, nämlich eine unkontrollierte Verschreibung von Teststreifen. So seien "zum Teil weit überzogene Verordnungen von 10.000 Teststreifen pro Person" festgestellt worden. Es sei kein Zufall, dass "drei Produkte, die zu den 20 umsatzstärksten im Arzneimittelmarkt gehören, Teststreifenprodukte sind". Die Kritiker der Verschreibungseinschränkung hätten "eher ökonomische Interessen statt klinischer Argumente".
Kritiker führen weiterhin an, dass die so genannte Rosso-Studie, die immer wieder als vermeintlicher Beleg für den Nutzen der Messung in dieser Patientengruppe angeführt wird, einige Ungereimtheiten aufweise. Zum einen sei sowohl diese Studie als auch deren spätere Befürworter in medizinischen Fachzeitschriften fast durchgängig von der Pharmaindustrie gesponsert, namentlich der Firma Roche Diagnostics - einem führenden Hersteller von Blutzuckermessgeräten und Teststreifen.
Dagegen warnt der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB), Dieter Möhler, vor dem Schritt. Er spricht von "Irrsinn und Medizin der 70er Jahre, in die der Patient vom Gemeinsamen Bundesausschuss gedrängt" werde. Möhler kündigte bereits an, beim Gesundheitsministerium Einspruch zu erheben. Der Beschluss des G-BA muss zunächst durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) geprüft werden. Falls das BMG den Beschluss nach spätestens zwei Monaten nicht beanstandet, könnte die neue Regelung noch im Sommer in Kraft treten.
Laut der Beschlussvorlage können Ärzte allerdings bestimmten Patienten weiterhin Rezepte für Teststreifen ausstellen. Dazu gehören Diabetiker ohne Insulin-Behandlung, bei denen eine Blutzuckerkontrolle per Teststreifen erforderlich ist, weil ihre Werte beispielsweise wegen einer Blutzucker-Neueinstellung, einer Umstellung auf andere Medikamente oder wegen einer Begleiterkrankung schwanken können.
Eine Packung mit 50 Blutzuckerteststreifen kostet je nach Hersteller zwischen 15 und 45 Euro. In Deutschland werden jährlich rund 1,2 Milliarden Euro damit umgesetzt. Etwa 900 Millionen Euro davon werden bislang als GKV-Leistung abgerechnet und von den Krankenkassen bezahlt. In Deutschland werden Schätzungen zufolge rund 4,5 Millionen Menschen wegen Diabetes behandelt. Rund drei Millionen von ihnen müssen kein Insulin spritzen. Die weltweite International Diabetes Federation (IDF) schätzt die Zahl der im Jahr 2010 in Deutschland lebenden Diabetiker sogar auf 7,5 Millionen.
Hier finden Sie den passenden Arzt in Ihrer Nähe und sehen, wie andere Patienten ihn bewertet haben. Arztsuche starten
Quelle: dapd , t-online.de
Die Spezialkollektion für jede Kör-
perform: perfekt für Business und Freizeit. zum XXL-Special
Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ
Edle Design-Möbel, die Platz sparen und Stauraum bieten - jetzt günstig!
von FASHION FOR HOME