02.05.2008, 14:49 Uhr | dpa
Jogger sind heutzutage mit High-Tech-Kleidung unterwegs. (Foto: imago)Als Burkhard Swara 1976 den Berlin-Marathon in 2:46:31 Stunden hinter sich brachte, kam er in Schuhen ohne Fußbett und Dämpfung ins Ziel. Das baumwollgewebte Laufhemd hing schwer vom Schweiß am Körper. Seine Zwischenzeiten hatte der heutige Betreiber eines Laufsportgeschäfts in Düsseldorf mit einer einfachen Stoppuhr am Arm überprüft. Inzwischen hat die Breitensportart Laufen nichts mehr mit der Trimmtrab-Bewegung aus den 70er Jahren gemein. Laufen ist heute ein regelrechter High-Tech-Sport, in dem Computer und sogar Satelliten kaum noch wegzudenken sind.
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Die wenigen Laufschuhmodelle der Frühzeit trugen klangvolle Namen wie "Achill" oder "Meile". Riffelsohle oder Noppen sollten den Vortrieb begünstigen, Wildlederbesatz war Sonderausstattung. "Heute sind rund 1.000 verschiedene Modelle auf dem Markt", erzählt Swara. Und Laufschuh ist nicht gleich Laufschuh: Schlagworte wie Motion Control und Cushion, EVA und Flexkerbe, Pronation und Supination beschreiben die Eigenschaften eines Schuhs und die Fußstellung seines Benutzers. Das möglichst leichte Sportgerät besteht heute gänzlich aus Chemiefaser und Kunststoff.
Auch bei der Laufbekleidung wird heute Chemiefaser statt wassersaugender Baumwolle und Flanell verarbeitet. "Wenn man früher richtig gedampft hat, wurden die Klamotten bleischwer", erinnert sich Swara. Bei Regen seien bisweilen sogar Hosenträger eingesetzt worden, um der langen Trainingshose Halt zu geben. Heute soll federleichte Kleidung aus farbenfroher Funktionsfaser im Einbahnstraßenprinzip den Sportlerschweiß sofort vom Körper nach außen leiten und die Unbilden des Wetters weitgehend von der Haut fernhalten.
Das ursprünglich zu militärischen Zwecken im Weltall installierte GPS hilft auch im Kampf gegen Mitläufer und inneren Schweinehund. Mindestens vier der bis zu 28 in rund 20 000 Meter Höhe um die Erde kreisenden Satelliten haben des Läufers GPS-Uhr ständig im Visier und geben Auskunft über Laufkurs, Distanzen und Höhenmeter. Wer den künstlichen Himmelskörpern nicht traut, kann ganz bodenständig Auskunft erhalten. Ein in die Laufsohle eingelegter oder auf dem Spann befestigter Sensor wird auf den Laufstil des jeweiligen Läufers ausgerichtet und überspielt alle wichtigen Daten auf ein Display am Arm.
Heinz Huber, Breitensportbeauftragter beim TSV Bayer Leverkusen, sieht die Messfreude der Läufer mit Wohlwollen: "Der Puls ist ein gutes Kriterium für den Einsteiger, der sich anfangs gern viel zu hoch belastet", sagt der 43-Jährige, der elf Jahre Lauferfahrung in die Waagschale werfen kann, "deshalb arbeiten wir zumindest in den ersten sechs Monaten immer mit der Herzfrequenz."
Einen ganz anderen Ansatz hat Helge Knigge von der Deutschen Sporthochschule in Köln: "In der heutigen Gesellschaft ist es üblich, alles zu bewerten, zu normieren und einzuordnen. So wie ein Autofahrer alles über die Leistungsdaten seines Wagens wissen will, sammeln viele Läufer Daten über die Leistungsfähigkeit ihres Körpers", erläutert der promovierte Sportwissenschaftler. Das sei zwar einerseits geeignet, die eigene Selbsteinschätzung zu verbessern. "Andererseits ist das die Abkehr vom erwünschten natürlichen Umgang mit Bewegung", ist sich der ehemalige Marathonläufer sicher. "So ein Laufcomputer kann ganz schön Druck machen und wir sollten uns gern bewegen und nicht, weil wir müssen."
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Quelle: dpa
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