18.08.2011, 09:41 Uhr | dpa/lac
Depressionen bleiben bei Männern oft unerkannt. (Foto: imago)
Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. Rund vier Millionen Deutsche sind betroffen. Mediziner gehen davon aus, dass 20 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer in ihrem Leben an einer Depression erkranken. Doch die Dunkelziffer ist vermutlich sehr viel höher. Vor allem bei Männern werden Depressionen häufig nicht erkannt, denn die Krankheit äußert sich bei ihnen anders als bei Frauen. Testen Sie hier, ob bei Ihnen Anzeichen einer Depression vorliegen.
Michael Blumenstein rastete bei nichtigen Anlässen aus und schrie Frau und Kinder an. "Ständig war da diese innere Gereiztheit. Dazu hatte ich Magenprobleme, dabei war organisch alles in Ordnung", erzählt der 44-Jährige im Klinikum Wahrendorff bei Hannover. Den Jobverlust hatte er scheinbar weggesteckt, kümmerte sich um die heute sechs und vier Jahre alten Söhne. Bei den Jungen wurde dann ein Gendefekt festgestellt, der ältere erkrankte zudem an Leukämie. "Nach außen war ich der fröhliche Li-La-Launebär. Man baut eine Fassade auf, aber irgendwann hält die Maske nicht mehr."
Über seinen Zusammenbruch und die Vorgeschichte spricht Blumenstein jetzt täglich mit neun Leidensgenossen in der im Januar eingerichteten Tagesklinik für depressive Männer in der niedersächsischen Stadt Sehnde - ein bundesweit einzigartiges Projekt. Die 20- bis 50-Jährigen werden hier nach einem speziellen psychotherapeutischen Ansatz behandelt. Viel Raum nimmt das Stresstoleranz-Training ein. "Was mache ich, wenn ich eine hohe Anspannung in mir habe, ohne auszuticken, ohne Alkohol zu trinken oder über die Autobahn zu rasen?", erläutert Chefarzt Michael Hettich. In den Pausen holen sie die Fußballtore im schattigen Park vor dem Gebäude heraus und kicken ein bisschen.
Erst seit einigen Jahren beschäftigen sich Forscher mit der Frage, warum Frauen zwei- bis dreimal häufiger an Depressionen erkranken, Männer aber mindestens dreimal so oft Selbstmord begehen. "Männer versuchen Depressionen lange zu unterdrücken, dann wird es schnell lebensgefährlich", sagt der Depressionsforscher Professor Mathias Berger vom Freiburger Universitätsklinikum. In einer Studie erkannten Hausärzte Depressionen bei Männern in nur 20 Prozent der Fälle, bei Frauen in 40 Prozent. Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) entwickelt mittlerweile Schulungsprogramme für Hausärzte, um auf gefährdete Männer aufmerksam zu werden. "Leider musste erst durch den tragischen Tod von Torhüter Robert Enke die deutsche Männerwelt aufgerüttelt werden", meint DGMG-Präsident und Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Frank Sommer.
Schwermütige Männer flüchten in Arbeit, Sport oder Alkohol. Ihr Verhalten schieben sie oft auf beruflichen Stress. "Ich habe nur noch für die Firma funktioniert", berichtet Andreas, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte. Nach einem abgebrochenen Studium war der heute 50-Jährige in einer Spedition eingestiegen. "Meine Tage sahen alle gleich aus: Ich bin um vier Uhr morgens aufgestanden und habe nach zwölf Stunden Arbeit abends viel Bier getrunken und bin ins Bett gefallen." Im Frühjahr raste Andreas mit dem Auto auf gerader Straße gegen einen Baum und lag neun Tage lang im Koma. "Bei den Kollegen würde ich von Burn-out, nicht von Depression sprechen", sagt er.
Obwohl psychische Erkrankungen inzwischen den traurigen Spitzenplatz bei den Krankschreibungstagen einnehmen, verschweigen viele Betroffene sie aus Scham. Das gilt besonders für männliche Patienten. "Männer definieren sich als unabhängig, selbstbewusst, leistungsorientiert, aktiv und rational. Das passt nicht mit Depressivität zusammen", sagt Hettich. Auch Michael Blumenstein machte die Erfahrung, dass seine Depression nicht ernst genommen wurde. Der Schwiegervater meinte, er solle sich zusammenreißen. Die Bowling-Kumpel fragten: "Bist du Mann oder Weichei?" Trotz aller Vorurteile hat er sich entschlossen, mit seiner Krankheit offen umzugehen. "Mein großer Traum ist es, wieder einen Job als Einzelhandelskaufmann zu finden", sagt der Hausmann.
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dpa/lac
Freddy schrieb:
am 23. August 2011 um 14:58:51
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(0)
@Kerstin
Das ist so lieb was Du schreibst, das hilft einfach wenn man so etwas hört, danke!
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Boheme schrieb:
am 23. August 2011 um 14:39:01
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Depression
@ Brick in the Wall,
ich kann dir aus eigener Erfahrung dringend empfehlen eine psych. Praxis aufzusuchen. Aber ich hatte mehr
Glück mit meinen Ärzten Ich bekam
sehr schnell die Diagnose Burn-Out und Depr. und die Überweisung.
Die Psychiaterin schickte mich nach kurzer Behandl. erst mal für 10 Wochen
in eine psychosom. Akutklinik. Das war das Beste, was mir passieren
konnte. Alleine hätte ich es nicht mehr geschafft.
Dein Freund befindet sich schon in der Bunkermentalität.
Nimm ihn einfach mit!!
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M4 schrieb:
am 22. August 2011 um 14:08:58
(3)
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Depressio bei Männern
Bisher war es für den Arbeitsplatz sicher nicht förderlich, sich zur Depression
zu bekennen und und die Belastungen,
die sie zum Ausbruch bringen, sind heute überall hoch. Zum Glück wird die Krankheit immer weniger zu einem Leiden, daß man am besten geheim hält.
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