19.05.2009, 11:44 Uhr | cme
Apfelkerne enthalten Blausäure, allerdings nur in geringen Mengen. (Foto: imago)Das hat wohl jeder von uns mal gehört: "Iss bloß die Apfelkerne nicht mit, da steckt doch Blausäure drin!" Doch stimmt das wirklich? Und ist es schädlich, wenn man Obstkerne versehentlich verschluckt? Was hat es mit dem Mythos auf sich, dass man nach Steinobst kein Wasser trinken darf? Wir haben zum Beginn der Obstsaison die häufigsten Märchen rund um die frischen Früchte unter die Lupe genommen und sagen, was dran ist.
Darf ich Apfelkerne mitessen? Obst-Märchen unter der Lupe
Fotoserie Obst und Gemüse: Mit oder ohne Schale?
Gab es wirklich schon Vergiftungen wegen ein paar Apfelkernchen? Tatsächlich enthalten viele Obstkerne giftige Blausäure oder eine Vorstufe davon. Die Säure kann unter anderem Atemnot, Kopfschmerzen und Erbrechen hervorrufen und führt ab einer gewissen Menge zum Tod. Nennenswerte Mengen sind in Aprikosen- und Kirschkernen enthalten - also in Kernen, die ohnehin zu hart zum Essen sind. In Apfelkernen ist die Menge an Blausäure sehr gering, über Vergiftungserscheinungen wurde selten berichtet. Immerhin: Laut einem Bericht der "Zeit" starb ein Mann, nachdem er eine ganze Tasse voller Apfelkerne gegessen hatte.
Selbst wer einen größeren Obstkern verschluckt, braucht keine Angst vor einer Vergiftung oder gar einer Blinddarmentzündung zu haben. In der Regel scheidet der Darm solche Fremdkörper unverdaut wieder aus. Nur in ganz seltenen Fällen setzt sich der Kern im Wurmfortsatz fest, sodass es zu einer Entzündung kommt. "Das sieht ein Kinderchirurg nur wenige Male in seiner Karriere", sagt Kinderarzt Dr. Falko Panzer in der Zeitschrift "Öko-Test".
Äpfel und Birnen schmecken mit Schale hervorragend, doch bei exotischen Früchten entfernen wir diese meist vor dem Essen. Dabei könnten die meisten Früchte komplett verzehrt werden, denn sie sind von Natur aus ungiftig. Allerdings werden exotische Früchte häufig mit Pestiziden behandelt, sodass sich das Schälen dennoch empfiehlt. Bio-Obst kann dagegen mit Schale gegessen werden, so zum Beispiel Kiwis, Feigen, Zitrusfrüchte oder sogar Bananen.
Und noch ein Mythos kann an dieser Stelle entlarvt werden: Die Regel, dass man nach Kirschen und anderem Steinobst kein Wasser trinken sollte, ist heute nicht mehr gültig. Die Warnung unserer Großeltern ist vermutlich auf die schlechte Trinkwasserqualität in früheren Zeiten zurückzuführen. Damals sorgten Bakterien und Hefepilze gemeinsam mit dem Steinobst dafür, dass es im Bauch kräftig rumorte. Heutzutage muss man schon eine sehr große Menge Kirschen essen, um anschließend Bauchweh zu bekommen. Doch das bekommt man vermutlich auch ohne den Genuss von Wasser.
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Quelle: t-online.de
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