19.11.2007, 16:17 Uhr | bri
Im Büro stapelt sich die Arbeit, der Chef macht immer mehr Druck. Auch Freunde und Familie gehen einem nur noch auf die Nerven - keine Lust zu gar nichts mehr. Wenn einst motivierte und engagierte Menschen nur noch missmutig und lustlos sind, kann es sich um das Burn-out-Syndrom handeln. Und es erwischt nicht nur Manager in den Führungsetagen, sondern auch Krankenpfleger, Kindergärtnerinnen oder Studenten. "Jeden kann es treffen und wer einmal in der Burn-out-Spirale steckt, kann sich nicht mehr selbst helfen. Deshalb ist Vorbeugen das Wichtigste", warnt Dr. Manfred Nelting, ärztlicher Direktor des Gezeitenhauses in Bonn, einer Privatklinik für psychosomatische Medizin. Mit diesen Tipps lassen Sie es gar nicht soweit kommen.
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Wie viele Menschen vom Burn-out betroffen sind, darüber gibt es lediglich Schätzungen: Nelting vermutet, dass es bis in die Millionen geht. Eine Studie der Uni Freiburg ergab, dass rund 50 Prozent der Pflegekräfte auf Krebs-, Aids- und Intensivstationen an Burn-out leiden. Bei den Ärzten sind es rund 23 Prozent. Bei Lehrern sind rund 35 Prozent ausgebrannt und weitere 30 Prozent befinden sich im Vorstadium zum Burn-out, so die Untersuchung. "Besonders sind Berufe betroffen, in denen ein hoher Leistungsdruck herrscht, und wo es wenig Anerkennung für die Leistung des Einzelnen gibt. Das kann der Manager sein, aber auch die Krankenschwester", sagt Nelting.
Beim Burn-out handelt es sich nicht nur um Stimmungstiefs, die nach kurzer Zeit wieder vorbei sind. "Ein wesentlicher Faktor ist, dass sich Betroffene nicht mehr entspannen können. Die Lieblingsmusik wird dann nur noch als Lärm empfunden, man kann vor lauter Sorge nicht mehr ruhig schlafen. Die Menschen kommen aus dem Stress einfach nicht mehr heraus und sind schon am Morgen erschöpft", beschreibt Nelting die Symptome. Der Schlafmangel mache jedoch alles nur noch schlimmer: "Man fühlt sich kraftlos, tut aber alles dafür, seine Schwächen zu überdecken. Viele delegieren Arbeit nicht mehr und das führt zu noch mehr Arbeitsbelastung, zu noch mehr Stress", erklärt der Arzt.
Mit dem Stress gehen auch körperliche Beschwerden einher: Panikattacken, Rückenschmerzen, Bluthochdruck. Betroffene versuchen gegenzusteuern, trinken Alkohol, nehmen Aufputschmittel oder treiben exzessiv Sport - doch alles hilft nichts. "Hinter vielen Zusammenbrüchen und Herzinfarkten steckt wahrscheinlich das Burn-out-Syndrom", schätzt Nelting. Das Problem wird in der Berufswelt oft verschwiegen, gilt als Eingeständnis von Schwäche. "Selbst in Fragebögen oder gegenüber vertrauten Menschen lügen die Betroffenen, deshalb ist das Burn-out-Syndrom so schwer zu diagnostizieren."
Da sich das typische Burn-out-Opfer die Krankheit selber nicht eingesteht, kann es schwer gegensteuern. "Ab einem bestimmten Punkt geht es dann nur noch abwärts. Der Partner oder Freunde können etwas tun, wenn sie den Betroffenen darauf ansprechen und ihm wirklich helfen wollen", so der Nelting. "Doch oft ist es erst der Arzt, der dem Betroffenen ins Gewissen redet, weil durch das Burn-out-Syndrom auch Beziehungen und Freundschaften in die Brüche gegangen sind."
Das beste Mittel gegen das Ausbrennen ist Vorsorge, damit es gar nicht so weit kommt. "Der Partner und Freunde sind immens wichtig. Man sollte unbedingt Zeit mit ihnen verbringen und darüber den Berufsalltag vergessen. Denn nur ein soziales Netzwerk kann einem in schwierigen Phasen helfen", rät der Arzt. Genauso wichtig sei es, sich extra Zeit zum Entspannen zu nehmen. "Sei es ein Spaziergang, ein Bad oder eine Sportart, die viel Spaß macht. Diese persönlichen Auszeiten müssen sein, egal was der Chef, Freunde oder auch der Partner sagen", rät Nelting.
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