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Brustkrebs: Radikale chirurgische Eingriffe werden zunehmend vermieden

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"Das Umdenken wird uns nicht schwerfallen"

16.02.2011, 17:47 Uhr

"Sie haben Krebs". Vor dieser Diagnose haben die meisten Deutschen Angst. (Foto: imago)

"Sie haben Krebs". Vor dieser Diagnose haben die meisten Deutschen Angst. (Foto: imago)

Dieses Standardprozedere, das viele Ärzte routinemäßig abspulen, wird nun also in Frage gestellt. "Man sollte in jedem Fall gründlich darüber nachdenken", sagt Scharl, der die aktuellen Studienergebnisse aus den USA trotzdem nicht als Weisheit letzter Schluss sieht. Methodisch sei der Studie anzulasten, dass die statistisch relevante Anzahl an Patientinnen weit unterschritten wurde.

Die Ärzte behandelten 891 Frauen aus 115 Medizinzentren der USA im durchschnittlichen Alter von 54 bis 56 Jahren, bei denen frühzeitig Brustkrebs diagnostiziert worden war. Bis zu fünf Zentimeter war der Tumor groß, den die Chirurgen entfernten. Bei allen Patientinnen war der Wächterlymphknoten von Krebszellen befallen, der Therapieplan sah die Bestrahlung der Brust sowie der Achselhöhle plus eine Chemotherapie vor. Vermutlich, so Scharl, würde die Bestrahlung dazu beitragen, dass die Krebszellen nicht nur im Brustgewebe, sondern auch in den befallen Lymphknoten zugrunde gehen. "Sicher weiß man das aber nicht."

Dennoch bestätige die Studie eine Reihe bisheriger Untersuchungen, die den fehlenden Einfluss der Entfernung der Achselhöhlenlymphknoten per se diskutieren. "Einen Beweis, dass dieses Verfahren wirklich Sinn macht, hat es bisher nicht gegeben", sagt auch Armando Giuliano, Erstautor der Studie.

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Tief verwurzeltes Dogma

In den USA haben die Ergebnisse eine kontroverse Debatte unter Medizinern ausgelöst. Monica Morrow, Direktorin des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in Manhatten und Co-Autorin, sagte der "New York Times": "Die Ergebnisse verändern unser bisheriges Denken radikal." Der Glaube an die Entfernung befallener Lymphknoten ist bei den amerikanischen Ärzten tief verwurzelt, es könnte eine Zeit dauern, bis ein Umdenken stattfindet. "Für uns Chirurgen und medizinische sowie radiologische Onkologen ist es schwer zu akzeptieren, dass man befallene Knoten nicht zwingend entfernen muss", sagt Giuliano.

Gleichwohl folgen die neuen Ergebnisse dem Trend, radikale chirurgische Eingriffe bei der Krebsbehandlung zu vermeiden. Einst bedeutete die Diagnose Brustkrebs in den meisten Fällen die Amputation der gesamten Brust, Muskeln und Achsellymphknoten inklusive. Heute ist bei der Mehrzahl der Frauen eine brusterhaltende Operation möglich. Nun versucht man auch auf das Ausräumen der Achselhöhle zu verzichten.

"Viel Schaden angerichtet"

Im Fachmagazin "Jama" bringt Grant Carlson vom Winship Cancer Institute auf den Punkt, welche Risiken Behandlungsleitlinien und Routineprozedere mitunter bergen können: "Ich habe das Gefühl, dass wir viel Schaden angerichtet haben".

Das zeigte auch die US-Studie: Diejenigen Frauen, denen die Achsellymphknoten entfernt worden waren, hatten ein weitaus höheres Komplikationsrisiko. Infektionen, Schmerzen, Taubheitsgefühl, eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, Flüssigkeitsstau - die Liste der teils schwerwiegenden Beschwerden ist lang. Nach einem derartigen Eingriff in der Achselhöhle entstehen bei 20 bis 30 Prozent der Fälle Lymphödeme, deren Heilung nur schwer möglich ist. Der Verein Frauenselbsthilfe nach Krebs hat eigens die 36-seitige Broschüre "Krebs und Lymphödem" für Betroffene herausgegeben.

Auch deutsche Ärzte werden umdenken

Wie schnell deutsche Ärzte sich an die jetzt korrigierte Behandlungsempfehlung gewöhnen und ihr auch tatsächlich folgen werden, lässt sich derzeit nicht absehen. Scharl, der so wie der Sprecher der Deutschen Krebsgesellschaft stolz darauf ist, dass man hierzulande recht schnell auf aktuelle Studienergebnisse reagiert, gibt sich zuversichtlich. Gynäkologische Onkologen seien generell zurückhaltender als die amerikanischen Kollegen, was radikale chirurgische Eingriffe betrifft, sagt er. "Ich glaube, das Umdenken wird uns nicht schwerfallen."


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Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (1)

zum Forum

Thema: "Brustkrebs: Radikale chirurgische Eingriffe werden zunehmend vermieden"

Marie schrieb: am 17. Februar 2011 um 13:03:54
(0) (0) Brustkrebs
...damit ich ok bin, dass meine weiblichen Gefühle nichts minderwertiges sind, sondern völlig ok, dass ICH ok bin, so wie ich
bin, so SEIN darf, wie ich bin, wie meine Natur nunmal ist. Von diesem Moment an hörte der Tumor auf zu wachsen. Ich habe ihm zugehört, was er mir sagen wollte und die nötigen Änderungen in meinem Leben vorgenommen und jetzt können wir uns in Frieden voneinander trennen - ohne OP. Er geht - ich bleibe.
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