02.07.2010, 10:58 Uhr | tze
Bluthochdruck: Fruchtzucker soll Bluthochdruck begünstigen. (Foto: imago)
Bisher galt vor allem Salz als Risikofaktor für Bluthochdruck. Nun wird auch Zucker, genauer gesagt Fruchtzucker, als Blutdrucktreiber verdächtigt. Studien aus den USA behaupten, dass Softdrinks, Fruchtsaftgetränke, Eistee und viele Fertiggerichte Bluthochdruck begünstigen. Wie gefährlich ist Fruchtzucker? Soll man auch weniger Obst essen und keine Säfte trinken? Die Redaktion von t-online.de haben dazu den Kardiologen Wolfram Delius befragt.
Wissenschaftler der Universität Colorado haben Gesundheitsdaten und Ernährungsgewohnheiten von 4500 US-Bürgern analysiert. Insbesondere achteten sie auf Blutdruckwerte und den Konsum fruchtzuckerhaltiger Speisen und Getränke über einen Zeitraum von drei Jahren. Das Fazit der Forscher um Diana Jalal: Menschen, die täglich mehr als 74 Gramm Fructose zu sich nehmen, haben ein 87 Prozent erhöhtes Risiko für einen erhöhten Blutdruck. Die Menge von 74-Gramm Fructose entspricht etwa zweieinhalb Gläsern eines mit Fruchtzucker gesüßten Softdrinks.
Professor Delius, Experte für Bluthochdruck, bewertet die Studie skeptisch. "Was die Vorgänge im Körper betrifft, ist ein direkter Zusammenhang zwischen Fruchtzucker und Bluthochdruck für mich nicht ersichtlich", sagt er. Das ist jedoch nicht als Entwarnung zu verstehen. Delius sieht das Risiko vielmehr in der erhöhten Energieaufnahme durch Zucker, beziehungsweise Fruchtzucker. "Jedes Kilo Gewichtszunahme erhöht den Blutdruck." Übergewicht ist also ein wesentliche Risikofaktor für Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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"Kritisch ist, dass unseren Nahrungsmitteln - oft versteckt - immer mehr Fructose zugesetzt wird. Das gilt vor allem für Softdrinks," so Delius. In den USA wird bereits seit Jahren mehr Fructose als Glucose - also herkömmlicher Haushaltszucker - in Getränken, Ketchup, Süßwaren, Marmelade, Gebäck, Joghurt und Eis eingesetzt. Zum einen ging man früher davon aus, dass Fruchtzucker weniger schädlich sei, was mittlerweise widerlegt ist. Zum anderen ist die aus Maisstärke gewonnene Fructose billiger. Inzwischen ist erwiesen, dass Fruchtzucker schneller dick macht und dass es in Ländern, in denen viel Fruchtzucker als Süßungsmittel verwendet wird, immer mehr Übergewichtige gibt.
Industriell erzeugter Fruchtzucker ist ein ungesunder Dickmacher. Das bedeutet aber nicht, dass dies auch für Obst und Honig gilt, die natürlichen Fruchtzucker enthalten. "Über den Verzehr von Obst und reinen Obstsäften erreicht keine derart hohe Fruchtzuckerzufuhr," sagt Delius. Allerdings sollte man Fruchtsaftgetränke meiden, denen künstlicher Fruchtzucker zugesetzt wurde. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass Obst gerade für Menschen mit Bluthochdruck zu einer gesunden Ernährung gehört.
Übergewicht abbauen, sich viel bewegen und ausgewogen ernähren - das ist der beste Schutz vor Bluthochdruck. Optimal ist eine ballaststoff- und kaliumreiche, aber fett- und natriumarme Ernährung. Das bedeutet: Reichlich Vollkornprodukte, Haferflocken, Naturreis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst essen. Dagegen sollte man stark salzhaltige, fett- und kalorienreiche Lebensmittel sowie Alkohol möglichst meiden.
tze
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