11.01.2011, 15:03 Uhr | dpa
Mit dem Organspendeausweis kann man seinen Willen eindeutig dokumentieren. (Foto: imago)
Zehntausende Menschen warten verzweifelt auf ein rettendes Spenderorgan - tausende vergebens. Bald werden möglicherweise alle Bürger einmal im Leben nach ihrer Spendebereitschaft gefragt. Dem Bundestag steht 2011 eine neue ethisch heikle Entscheidung über die Regelung von Organspende bevor.
Gegen den dramatischen Mangel an Spenderorganen in Deutschland setzt Unionsfraktionschef Volker Kauder auf eine Befragung aller Bürger. Ein Eintrag in Ausweis oder Führerschein könnte den bisherigen Organspendeausweis ersetzen. Noch in diesem Jahr könnte der Bundestag ohne Fraktionszwang in dieser Frage entscheiden. Kauders Eintreten für ein einvernehmlich beschlossenes Gesetz ohne konkurrierende Anträge ist aber umstritten.
Rund fünf Monate nach der Nieren-Spende von Frank-Walter Steinmeier an seine Frau kommt Bewegung in das Thema Organspende. Er habe mit dem SPD-Fraktionschef gesprochen, von ihm stamme der Begriff "Entscheidungslösung", sagte Kauder bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Bürger sollten einmal im Leben mit der Frage konfrontiert werden und selbst entscheiden. "Das halte ich für zumutbar." Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, unterstützte den Vorstoß. "Das scheint für Deutschland die beste Lösung zu sein, weil sie auf breite Akzeptanz stoßen und für mehr Spendebereitschaft sorgen würde", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
Vehement trat Kauder Forderungen nach der Übernahme der in vielen anderen Ländern gültigen Widerspruchslösung entgegen. Nach dieser Regelung dürfen Ärzte Hirntoten Organe entnehmen, wenn diese zu Lebzeiten nicht widersprochen haben. "Ich möchte nicht, dass der Staat in diesem höchst sensiblen Bereich zu etwas zwingt." Heute müssen die Menschen in Deutschland zu Lebzeiten ihre Bereitschaft zur Organspende erklären - es gilt die Zustimmungslösung. Auch wenn eigentlich mehr als zwei von drei Deutschen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen, hat nur jeder Fünfte einen Spenderausweis.
Kauder plädierte für eine einzige Gesetzesvorlage. "Ich würde mir wünschen, dass wir im Deutschen Bundestag möglichst einhellig zu einer Lösung kommen." Absprachen seien für die kommenden Wochen geplant. Er mache den Vorschlag in erster Linie als Mitglied der Initiative Pro Organspende. Dagegen will die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike Flach, die Tür für konkurrierende Anträge offen halten. "Das ist eine Gewissensfrage", sagte sie der dpa. "Da gibt es immer mehrere Aspekte. Das muss nicht in einen einzigen Antrag münden." Gleichzeitig meinte sie, Kauders Vorschlag könne zielführend sein.
Die Antwort des Befragten solle im Ausweis, im Pass oder Führerschein unter Wahrung des Datenschutzes gespeichert werden, erläuterte der Gründer von Pro Organspende, Reinhard Pregla. vom Deutschen Herzzentrum in Berlin. Wenn der Befragte sich nicht zu einem Ja oder Nein durchringen könne, müssten nach seinem Hirntod weiter die Hinterbliebenen entscheiden. Die Praxisärzte sollten für die dringend nötige Aufklärung der Menschen sorgen. Eine Entscheidung könne beim Bürgeramt auch wieder revidiert werden. Von der Initiative erwarte er einen Durchbruch, sagte Pregla.
Rund 12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. "Weit über 1000 müssen leider jedes Jahr auf der Warteliste sterben", sagte Pregla. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, geht sogar davon aus, dass jährlich 3000 Patienten die Wartezeit nicht überleben. Für viele ist der Mangel ein Drama: Während Kranke auf rettenden Ersatz warten, rückt der Tod wegen des immer schlechteren Zustands anderer Organe immer näher. "Durch die Warteliste transplantieren wir immer kränkere Patienten", sagt Pregla.
Bei 1217 Organspendern wurden 2009 nach dem Tod Körperteile entnommen, teilte die Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) mit. 2010 sei von einem leichten Anstieg auszugehen, sagte DSO-Sprecherin Birgit Blome der dpa. Die Zahlen würden Ende der Woche veröffentlicht. International hinkt Deutschland laut DSO mit 15 Organspendern pro eine Million Einwohner deutlich hinter Belgien, USA, Österreich, Frankreich, Italien und Finnland (mehr als 20) und Spanien (34) hinterher.
Quelle: dpa , AFP
Franziska schrieb:
am 8. März 2011 um 19:55:44
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Erst aufklären!
Bevor man sich für oder gegen einen Organspendeausweis entscheidet, sollte man wirklich aufgeklärt sein. Dazu findet sich
auch die Seite www.initiative-kao.de , Kritische Aufklärung über Organspende. Ich habe seit meinen 18 Geburtstag einen Organspandeausweis gehabt, aber nach den Erfahrungen die ich auf der seite gelesen habe, habe ich meine Meinung geändert. Allerdings auch in einer Patientenverfügung geregelt, daß ich keine Organe empfangen möchte.
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Franz schrieb:
am 24. Januar 2011 um 14:13:34
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Unwissenheit
Selten habe ich zu einem so wichtigen Thema so viel Halbwissen gesehen. Informieren sie sich doch erst mal und versuchen sie
sich in die Lage von, oft, jungen Menschen zu versetzen,denen nur noch eine Organspende helfen kann, weil sie ohne eigenes Verschulden schwer erkrankt sind.Erst denken, dann schreiben!
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Sissi schrieb:
am 23. Januar 2011 um 09:50:02
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Altersbegrenzung?
Als 74-järige gesunde Frau ist meine Blutspende nicht mehr erlaubt-wie ist es mit anderen Organen?
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