06.11.2009, 08:21 Uhr | jlu
"Retard", "mono", "comp/plus": Beipackzettel-Angaben sind oft unverständlich. (Foto: imago)Der Beipackzettelsoll eigentlich über ein Medikament informieren. Doch den meisten bereitet er Kopfzerbrechen: Was heißt es, wenn Medikamente mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden sollen? Wie wirken Tabletten mit der Bezeichnung "retard"? Und was heißt "es treten selten Nebenwirkungen auf"? Laut einer Studie der Krankenkasse "DAK" versteht rund die Hälfte der Deutschen die Packungsangaben nicht. Viele Patienten sind deshalb verunsichert und haben Angst davor, ihre Medikamente zu nehmen. Wir sagen Ihnen, was die Angaben im Beipackzettel bedeuten.
"Mono", "comp", N1 Das bedeuten Beipackzettel-Angaben
Name des Medikaments, Anwendungsgebiete, Dosierungsanleitung, Wechsel- und Nebenwirkungen: Das sind nur einige Angaben, die ein Beipackzettel laut Arzneimittelgesetz beinhalten muss, um Patienten zu informieren. Das Problem ist, dass die Patienteninformationen zusammen mit den medizinischen Hinweisen für Ärzte beschrieben werden. Deshalb sind die Packungsangaben für viele ein Rätsel.
Das fängt schon bei der Packungsgröße an: So bezeichnet N1 die kleinste, N2 die mittlere und N3 die größte Packung. Für Verwirrung sorgen außerdem verschiedene Zuätze hinter den Medikamentennamen. Die Ergänzung "retard" besagt, dass der Wirkstoff nach und nach freigegeben wird und "comp" bedeutet, dass die Arznei mehrere Wirkstoffe enthält. Die Zahlen 200, 400 oder 600 sagen etwas über die Wirkstoffmenge einer Tablette oder Kapsel aus.
Ungenau ist der Beipackzettel meistens auch, wenn es darum geht, wann und wie man ein Medikament einnehmen soll. Viele wissen zum Beispiel nicht, dass mit der Angabe "mit reichlich Flüssigkeit" mindestens ein 0,2-Liter-Glas Wasser gemeint ist. Irreführend sind außerdem Hinweise zum richtigen Einnahmezeitpunkt: So bedeutet "Einnahme nach dem Essen" nicht, dass man die Medizin unmittelbar nach der Mahlzeit schlucken soll. Gemeint ist vielmehr, dass der Patient anderthalb bis zwei Stunden nach dem Essen warten sollte, bis er das Medikament nimmt.
Nicht eingenommen werden darf ein Medikament, wenn der Patient auf einen Wirkstoff überempfindlich reagiert. So steht es im Beipackzettel. Was aber genau passieren kann, wenn man ein Arzneimittel nicht verträgt, wird meist nicht erklärt. So kann sich eine Unverträglichkeit beispielsweise mit starken Kopfschmerzen, einem Hautausschlag oder Durchfall bemerkbar machen. Doch es kann auch zu gefährlicheren Nebenwirkungen kommen, wie allergischen Reaktionen, Blutdruckabfall oder Bewusstlosigkeit.
Wie oft solche unerwünschten Reaktionen auftreten, muss im Beipackzettel angegeben werden. Manchmal sind die Formulierungen für medizinische Laien allerdings unklar: Dass Nebenwirkungen "Sehr häufig" auftreten heißt, dass mehr als einer von zehn Behandelten betroffen ist. Der Hinweis "Gelegentlich" meint, dass mehr als einer von 1000 Behandelten überempfindlich reagiert. "Selten" sind Nebenwirkungen, wenn sie bei mehr als einem von 10.000 Behandelten auftreten.
Wichtig: Wer den Beipackzettel nicht versteht, sollte sich auf jeden Fall an einen Arzt oder Apotheker wenden. Denn es kann gravierende Folgen haben, wenn das Medikament falsch eingenommen oder sogar weggeschmissen wird.
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jlu
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