12.06.2009, 10:23 Uhr | dpa
Operationen sollen sicherer werden - mittels einer Checkliste. (Foto: imago)Dass der Arztbesuch dramatisch endet, kann jeden treffen. Manchmal verläuft er sogar tödlich. Spektakuläre Behandlungsfehler wie das vergessene Operationsbesteck oder die Verwechslung auf dem OP-Tisch sind glücklicherweise die Ausnahme. Doch dass die Regeln der ärztlichen Kunst nicht eingehalten werden, kommt immer wieder vor, sogar bei Routineeingriffen. Das zeigt die neue Beschwerdestatistik der Bundesärztekammer für das Jahr 2008.
Falsch operiert Spektakuläre ärztliche Behandlungsfehler
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Insgesamt 10.967 mal fühlten sich Patienten falsch behandelt und wandten sich an Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Dies waren fünf Prozent mehr Beschwerden als im Jahr zuvor. In 2090 Fällen wurden tatsächlich Behandlungsfehler festgestellt. 84-mal waren die Schäden so gravierend, dass die Patienten daran starben. In 169 Fällen blieben schwere Dauerschäden zurück. Die meisten Fehler gab es bei der Implantation von künstlichen Hüft- und Kniegelenken sowie bei der Behandlung von Brustkrebs und Knochenbrüchen.
Pfusch am Patienten ist ein altes und leidiges Thema, denn niemand - auch Ärzte nicht - gibt gerne Fehler zu. Verbraucherschützer gehen deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus. Es kursieren sogar Zahlen von bis zu 560.000 - wenn auch meist folgenlosen - fehlerbehafteten Krankenhaus-Behandlungen. Immerhin gibt es seit 2006 im Internet eine Datenbank, bei der Mediziner und Pfleger anonym ihre Patzer eingestehen können. Die Bandbreite des ärztlichen Versagens ist groß: Bei einem Patienten mit Meniskusschaden wurde das falsche Knie operiert. Eine Kranke erhielt trotz ihrer Allergie Penicilin verabreicht, bei anderen Patienten wurden Infektionen oder Magengeschwüre zu spät erkannt und behandelt.
"Wenn man viel arbeitet, macht man natürlich auch mal einen Fehler", sagt dazu Andreas Crusius, Vorsitzender der Konferenz der ärztlichen Gutachterkommissionen. Dies gelte vor allem für die häufig überlasteten Krankenhausmediziner. Gut zwei Drittel aller Kunstfehler passieren dort. Gleichwohl weiß auch er: "Jeder Fehler ist einer zu viel." Deshalb gehe die Ärzteschaft mit den Fehlerstatistiken "transparent um" - um daraus zu lernen.
Angesichts von 440 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten jährlich im ambulanten Bereich und 17 Millionen stationären Behandlungsfällen muten die Fehlerzahlen im Promille-Bereich zwar gering an. Doch für die Betroffenen ist das kein Trost. Bei Hüftoperationen häufen sich beispielsweise die Beschwerden über Nervenschädigungen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen. Auch bei sorgfältigster Vorbereitung einer Hüftgelenk-Implantation gebe es immer wieder "unvermeidbare Auswirkungen", räumt die Medizin-Expertin Renée Fuhrmann ein.
Verbraucherschützer werfen den Ärzten seit langem vor, sich gegenseitig zu decken - ganz nach dem Motto: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus." Deshalb sei Behandlungs-Pfusch auch nur schwer nachweisbar. Überlegungen in der Bundesregierung, den Nachweis gesetzlich zu erleichtern, weist Crusius zurück: Als "Belastung für das Partnerschaftsmodell in der Arzt-Patienten-Beziehung". Er hält die Gutachtenkommissionen und Schlichtungsstellen für ein "positives Beispiel für den Umgang mit Behandlungsfehlern".
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dpa
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