11.05.2007, 09:43 Uhr | dpa/tze/sum
Die superdünnen Models, die durch Anzeigen für Mode und Lebensmittel staksen, weichen um etliche Kilos von der Realität ab. Dass Magermodels bei den normalgewichtigen Kundinnen eher schlecht ankommen, hat Unilever schon 2004 verinnerlicht. Der zum Weltkonzern gehörende Kosmetik-Produzent Dove wirbt seit Jahren erfolgreich mit kurvenreichen Models. Nun geht Unilever noch einen Schritt weiter: In einer freiwilligen Selbstverpflichtung distanziert sich das Unternehmen von Magermodels. Unilever stellt unter anderem die Diät-Produkte "Lätta" und "Du darfst" her. In seiner Werbung sollen ab sofort nur noch Models eingesetzt werden, deren Body-Mass-Index (BMI) über 18,5 liegt. Dieser BMI-Wert befindet sich allerdings heute an der Grenze zum Untergewicht. Als normal gilt ein BMI zwischen 19 und 25. Bringt diese Maßnahme wirklich etwas oder dient sie nur der Imagepolitur?
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Body-Mass-Index über 18
Experten gehen davon aus, dass Magersucht und andere Essstörungen vor allem in der Modelbranche weit verbreitet sind. Mädchen und junge Frauen, die diesem Schönheitsideal nacheifern, gefährden ihre Gesundheit. Umfragen zufolge findet sich auch in Deutschland bereits jeder zweite Teenager zu dick - eine besorgniserregende Entwicklung. Bei seiner Selbstverpflichtung, auf sehr dünne Models zu verzichten, hält sich Unilever an die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Diese stuft Menschen mit einem BMI unter 18,5 als untergewichtig ein - der BMI wird durch das Verhältnis zwischen Größe und Gewicht errechnet (siehe Klickshow). An der Empfehlung orientieren sich inzwischen auch die Veranstalter der Madrider Modenschau. Dort dürfen nur noch Models mit einem BMI über 18 mitlaufen. Bei einem BMI unter 16 muss laut Experten von Magersucht oder Bulimie ausgegangen werden.
Dünn, aber nicht mager
Frauen mit einem BMI von 18 sind allerdings im Vergleich zu normalen Frauen immer noch recht dünn. Deshalb muss man sich fragen, ob die Selbstverpflichtung von Unilever wirklich eine wirksame Maßnahme im Kampf gegen den Schlankheitswahn ist. Oder plant Unilever nun seine Diät-Marken "Du darfst" und die Halbfettmargarine "Lätta" auch mit molligen Models zu bewerben? "Wir haben unsere Diät-Produkte auch schon vor der Selbstverpflichtung mit gesunden normalen Frauen beworben", betonte eine Sprecherin des Konzerns gegenüber T-Online. Deshalb werde sich der Konzern in der Kommunikation nicht untreu. Die Models seien zwar schlank, aber nicht mager.
Mehr Selbstwertgefühl für junge Mädchen
Ob die Selbstverpflichtung ähnliche Früchte trägt wie die Werbekampagne von Dove, bleibt abzuwarten. Für den Creme-Hersteller hat sich der Imagewandel ausgezahlt. Der mutige Schritt, schlanke Models durch Frauen wie du und ich zu ersetzen, kam bei der Zielgruppe gut an und beeindruckte die Werbebranche. "Die Resonanz war gewaltig", sagt eine Sprecherin. Zusätzlich zur klassischen Werbung kämpft das Unternehmen mit seiner "Initiative für wahre Schönheit" gegen überzogene Ideale. Mit der Gründung der "Dove Aktion für mehr Selbstwertgefühl" versucht es das Selbstbewusstsein junger Mädchen zu stärken.
Unzufrieden mit dem Aussehen
Anlass für die Aktion waren die erschreckenden Ergebnisse der weltweiten Dove-Studie "Jenseits von Stereotypen: Das neue Verständnis von Schönheit". Demnach haben junge Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren ein sehr geringes Selbstbewusstsein. Hätten sie die Möglichkeit, würden neun von zehn Mädchen mindestens einen Aspekt ihres Aussehens verändern. Jede Dritte wünscht sich ein anderes Gewicht, jede Vierte hat schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht. Dieses niedrige Selbstbewusstsein kann mit einem gestörten Essverhalten einhergehen. Nicht nur, dass 13-Jährige bereits Diät halten. In der Umfrage gaben 13 Prozent der befragten Mädchen weltweit zu, unter Ess-Störungen wie Bulimie oder Magersucht zu leiden.
Wunsch nach Normalität
Ein geringes Selbstwertgefühl hat zudem direkten Einfluss auf das alltägliche Verhalten. 72 Prozent der befragten Mädchen vermeiden bestimmte Aktivitäten wie Schwimmen gehen oder Sport, wenn sie mit ihrem Aussehen unzufrieden sind. Es sei schwierig, sich schön zu fühlen, wenn man mit heutigen Schönheitsidealen konfrontiert wird, gab die Mehrzahl als Grund für ihr passives Verhalten an. Jede zweite im Alter von 15 bis 17 Jahre wünscht sich, in Zeitschriften mehr normalen Frauen zu sehen. Die Selbstverpflichtung von Unilever ist daher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wünschenswert wäre, dass tatsächlich bald normalgewichtige Models in der Werbung zu sehen sind und nicht nur diejenigen, die sich an der Grenze zum Untergewicht befinden. Da Unilever über ein Werbeetat von fünf Milliarden Euro pro Jahr verfügt und mindestens 25 große werbetreibende Firmen von Axe bis Viss unter sich vereint, könnte der Konzern ein Vorbild für andere Unternehmen werden.
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Quelle: t-online.de
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