22.10.2008, 17:33 Uhr | bri/dpa/AP
Gefälschte Pillen können tödlich sein. (Foto: imago)Der Kauf von Medikamenten im Internet kann tödlich sein. Die eingekauften Pillen könnten sich als Fälschungen entpuppen, warnen Mediziner der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin in Wiesbaden. Laut der Gesellschaft wurden 2007 an den Grenzen der EU über vier Millionen Fälschungen beschlagnahmt, Das seien fünf mal so viele wie noch 2005, so die Mediziner. Wir zeigen Ihnen an einigen Beispielen, woran Sie eine Fälschung erkennen.
Fotoshow Medikamente - Original und Fälschung
Medikamente aus dem Web So schützen Sie sich vor Fälschungen
Noch gilt Deutschland als relativ sicher. Man schätzt, dass der Anteil der Plagiate hierzulande unter zwei Prozent liegt. Die Mediziner befürchten jedoch, dass es auch hier immer mehr werden. Jede zweite im Internet angebotene Viagra-Packung dürfte zum Beispiel gefälscht sein, so die Schätzungen. Aber auch gefälschte Anabolika oder Schlankheitsmittel könnten sehr leicht über das Internet angeboten werden, hieß es. Mittlerweile produzieren die Pillenfälscher sogar Antibiotika, Schmerzmittel und Mittel gegen Krebs oder Aids.
Aids-Medikament Serostim: oben das Original - unten die Fälschung. Farben und Logo stimmen nicht überein. (Foto: GPHF)
Die gefälschten Mittel werden oft unter unsauberen Bedingungen hergestellt. Sie besitzen entweder keinen Wirkstoff oder sie sind extrem überdosiert: Auch Mittel ohne Wirkstoff könnten gefährlich sein, warnt Professor Harald Schweim von der Uni-Klinik in Bonn. So drohe beim Potenzmittel Viagra die Gefahr, dass ein Konsument wegen der ausbleibenden Wirkung stets mehrere Pillen nehme. Kaufe er dann einmal "echte" Tabletten, nehme er auch davon mehr als eine - mit teils schlimmen Folgen. Schweim weist auf sechs Viagra-Todesopfer in England hin - die das Mittel bis zu 300 Prozent überdosiert hatten.
"Das Einfallstor für die Fälschungen scheint in erster Linie das Internet zu sein", sagt Schweim. Zahlreiche im Ausland ansässige Internet-Apotheken seien auf dem deutschen Markt aktiv, ohne hier zugelassen zu sein. Die Apotheke um die Ecke und hier zugelassene Internet-Apotheken gelten nach Ansicht von Experten als sicher. Die Zahl der gefälschten Arzneimittel in niedergelassenen Apotheken liege bei unter einem Prozent, sagte auch Franz-Josef Wingen vom Pharmahersteller Bayer.
Patienten sollten beim Bestellen von Präparaten im Internet besonders aufmerksam sein: "Werden verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept angeboten, ist das ein Hinweis darauf, dass nicht nur die Online-Seite, sondern auch das Produkt selbst illegal ist", warnt Markus Wittstock vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Auch von Anbietern, die ein Rezept ausstellen, obwohl der Patient nie beim Arzt war, sollte man die Finger lassen.
Der Verband der europäischen Pharmahersteller (EFPIA) will im kommenden Jahr ein Sicherheitssystem erproben: Auf jede Medikamentenpackung soll ein Barcode aufgedruckt werden, der unter anderem eine individuelle Seriennummer enthält. Diese Nummer soll in einem Zentralcomputer gespeichert werden und dem Apotheker die Möglichkeit geben, online die Echtheit des Medikaments zu überprüfen.
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bri/dpa/AP
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