23.04.2009, 15:15 Uhr | mou
Gelenkkapseln können Arthrose weder vorbeugen noch lindern, sagt "Öko-Test". (Foto: imago)Die Angst vor Arthrose und Gelenkbeschwerden lässt viele Menschen tief in die Tasche greifen: Im vergangenen Jahr schluckten die Deutschen für rund 60 Millionen Euro Kapseln und Pillen, die den Gelenken wohltun sollten. Laut "Öko-Test" ist das jedoch "rausgeschmissenes Geld". 40 Produkte hat das Verbrauchermagazin getestet. Bis auf zwei Mittel fallen alle im Test durch.
Wie hoch ist mein Risiko? Arthrose-Test
Die Kapseln und Tabletten sollen die "Stoffwechselfunktion des Gelenkknorpels" unterstützen oder der "diätetischen Behandlung von ungenügender Knorpelbildung" dienen, wie auf den Packungen der getesteten Produkte zu lesen ist. Angeboten werden sie als Arzneimittel oder als Nahrungsergänzungsmittel.
Unter den 40 Gelenkkapseln im "Öko-Test" waren vier als Arzneimittel eingestufte Präparate, die Symptome von "leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenkes" lindern sollen. Wie "Öko-Test" unter Berufung auf die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft berichtet, kann der Verbraucher sich das Geld für Präparate zur Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen sparen. In deren aktuellen Therapieempfehlungen heißt es, dass "derzeit keine klinischen Studien" existieren, dass ein Arzneimittel den Gelenkverschleiß aufhalten kann. "Öko-Test" beruft sich auch auf eine amerikanische Studie: Diese zeigt, dass die Einnahme die Wirkstoffe in Gelenkkapseln keinen Vorteil gegenüber einem Placebo bietet.
Nur zwei Arzneimittel bekommen im Test ein "Ausreichend". Jedoch nur, weil sie in einer amerikanischen Studie etwas besser als ein Placebo. Es handelt sich dabei um "Dona 750mg, Filmtabletten" von Opfermann und und "Voltaflex Filmtabletten" von Novartis.
Auch bei Mitteln zur Nahrungsergänzung sowie diätetischen Präparaten weisen Studien laut "Öko-Test" keinen Nutzen nach. Die Hersteller solcher Präparate konnten dem Verbrauchermagazin keine befriedigenden Nachweise für den Nutzen der untersuchten Präparate vorlegen. Laut "Öko-Test" haben Menschen keine positiven Effekte durch die Einnahme zu erwarten.
Zweifelhaft sei nicht zuletzt, ob die beiden wichtigsten Wirkstoffe in Gelenkkapseln, Glucosamin und Chondroitin, überhaupt eine ernährungsphysiologische Bedeutung haben, denn dabei handle es sich um einen Mix aus verschiedenen Reststoffen wie etwa Krabbenschalen, Haifischknorpel, Rinderlunge sowie Scheineohren und -schnauzen. Zudem seien viele der Präparate zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert. Wie "Öko-Test" berichtet, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jedoch von dieser Anreicherung der Produkte ab.
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