27.11.2007, 09:27 Uhr | bri/dpa
Teenager beim Trinken (Foto: dpa)Schon mit zwölf Jahren fangen sie an und trinken sich halb zu Tode. Das zeigen Studien über den Alkoholkonsum von Teenagern. "Es geht vielen Jugendlichen heute nicht mehr um Genuss. Sie trinken Alkohol, um sich wegzuschießen", sagt der Soziologe Theo Baumgärtner vom Büro für Suchtprävention in Hamburg. Jede Droge habe ihre Zeit bei der Jugend. "In den 80er Jahren war es Kokain, in den frühen 90ern Ecstasy, dann gab es eine Cannabis-Welle und seit einiger Zeit ist nun exzessives Trinken das Mittel, um Gleichaltrige zu beeindrucken." Wie man diesen Trend stoppen kann, darüber sind sich Experten und Politiker uneins.
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Die Zahl der Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus kommen, steigt stetig. Es begann im März mit einem 16-jährigen Berliner, der nach mehr als 40 Gläsern Tequila ins Koma fiel und einen Monat später starb. In Deutschland dürfen eigentlich nur "weiche Alkoholika" wie Bier und Sekt bereits an Jugendliche ab 16 Jahre verkauft oder ausgeschenkt werden.
Zahlreiche Politiker forderten ein Alkoholverbot für unter 18-Jährige. Auch die Bundes-Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) zeigte sich besorgt, weil immer früher mit dem Alkoholkonsum begonnen werde: "Dieser Trend setzt sich ungebrochen fort." Jeder fünfte 14-Jährige trinke wöchentlich. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) sprach sich jedoch gegen ein Alkoholverbot für Minderjährige aus. Eine "Olympiade der Verbote" lehne er ab. Man müsse Jugendlichen vielmehr den richtigen Gebrauch von Alkohol nahebringen.
Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln heißt es, der Alkoholkonsum bei Jugendlichen sei zwar in den vergangenen 30 Jahren insgesamt gesunken, doch verbrächten immer mehr Minderjährige ihre Freizeit mit dem Trinken bis zum Umfallen. Dass das nicht die alte Leier von der schlechten Jugend ist, belegt eine Studie der BZgA vom Juni: Wodka-Rausch und Kampftrinken ist in. Bei den 16- und 17-Jährigen kippen demnach mehr als die Hälfte (51 Prozent) mindestens einmal monatlich fünf oder mehr Gläser Alkohol an einem Tag (2005: 40 Prozent). In der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen trinken 22 Prozent mindestens einmal pro Woche Alkohol (2005: 19 Prozent).
Und Jugendliche betrinken sich heute nicht mehr heimlich im Park oder im Partykeller. Sie zeigen ihren Alkoholkonsum ganz offen. In den Vergnügungsvierteln der Großstädte sieht man wochenends junge Leute, die sich Schnapsflaschen teilen. Oft wird auch in S- und U- Bahnen getrunken. Außerdem liegen - berüchtigt und in manchen Städten inzwischen verboten - Club-Veranstaltungen mit Saufpauschale, sogenannte Flatrate-Partys, im Trend. Ein prominenter Anbieter geführter Sauf-Touren ("Pub Crawls") ist bezeichnenderweise der Sherry-Erbe Chris Sandeman.
Die Stadt Nürnberg schloss Ende Juli eine Diskothek, weil der Betreiber alkoholische Getränke zu Preisen zwischen 50 Cent und einem Euro anbot und damit gegen eine freiwillige Vereinbarung mit der Stadt verstieß. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof gab der Kommune Recht. Nach einem Beschluss des Bund-Länder-Ausschusses verstößt es ohnehin gegen geltendes Recht, unbegrenzt zum Pauschalpreis trinken zu lassen. Das Gesetz verbietet die Alkohol-Ausgabe an erkennbar Betrunkene.
Inzwischen treten viele Städte freizügigem Alkoholkonsum, nicht nur bei Jugendlichen, entgegen. Seit dem Sommer verbietet beispielsweise Düsseldorfs Verkehrsgesellschaft Rheinbahn in ihren Bahnen und Stationen den Alkoholkonsum. Viele Leute fänden solche Mitfahrer schwer kalkulierbar, habe eine Kundenbefragung ergeben. Die Stadt Köln - sonst darauf aus, sich von Düsseldorf abzusetzen - zieht bald nach. Ab März will Kölns Nahverkehrsgesellschaft KVB Kölsch und Co. nicht mehr dulden.
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Quelle: dpa
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