01.12.2011, 13:33 Uhr | dpa
Seit 17 Jahren lebt der 60-Jährige John mit dem HI-Virus. (Quelle: dpa)
HIV-positiv - diese Diagnose ist für den Betroffenen immer ein Schock. Doch dank moderner Medikamente sind die Überlebenschancen der Infizierten hoch. Die Zahl derer, die mit dem HI-Virus alt werden, wächst. Häufig leiden sie jedoch an den Nebenwirkungen der Medikamente. Zudem steigt ihr Risiko für andere Krankheiten. Ein Betroffener erzählt.
"Sorrows are unstoppable" - Sorgen sind nicht aufzuhalten. So hat es John in seiner sonnendurchfluteten Kreuzberger Küche auf eine Schiefertafel geschrieben. Denn nicht jeder Tag ist so sonnig. Aber John will den Sorgen etwas entgegensetzen. "Ich habe mich nie als Opfer gefühlt", sagt er. Der drahtige, durchtrainierte Mann, der vor Vitalität zu strotzen scheint und dem seine 60 Jahre kaum anzusehen sind, erkrankte Anfang der 90er Jahre an Aids. Seit 17 Jahren lebt er mit dem HI-Virus, das dank der Medikamente mittlerweile in seinem Blut nicht mehr nachzuweisen ist - und gehört damit zur ersten Generation derer, die mit der gefährlichen Immunschwächekrankheit alt werden.
Danach hatte es im Sommer 94, als die Krankheit bei John ausbrach, nicht ausgesehen. Hirnhautentzündung. Im buchstäblich letzten Moment waren neue Medikamente greifbar, die seinen Zustand stabilisierten und das Virus zurückdrängten. Danach wurde für John alles anders. "Ich habe einige Tage nachgedacht und dann gewusst, jetzt muss ich meine Krankheit öffentlich machen", erinnert er sich. "Ich habe in meinem Umfeld deshalb nie Zurückweisung oder Diskriminierung erlebt. Aber ich weiß, dass das oft anders ist."
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Von seiner Bühnenkarriere als Tänzer musste John Abschied nehmen, aber seine im Tanz erlernte Disziplin erleichterte ihm das Leben mit der Krankheit - inklusive des strengen Tabletten-Regimes. Er orientierte sich neu, wurde Yoga-Lehrer und engagiert sich bis heute intensiv in der HIV-Prävention. Auch bei der diesjährigen Kampagne zum Welt-Aids-Tag ("Positiv zusammenleben. Aber sicher!") macht er mit. "Ich sorge für mich und war seit 16 Jahren nicht mehr krank", sagt er, nicht ohne Stolz. Doch an den Nebenwirkungen der Medikamente hat auch er immer wieder zu leiden. "Die darf man nicht unterschätzen. Man muss real sagen, wie es ist."
Auch die neue, verträglichere Generation der anti-retroviralen Medikamente, die das gefährliche Virus in Schach halten und Aids verhindern, hat Nebenwirkungen - und die sind vor allem über lange Sicht noch völlig offen. Der Alterungsprozess scheint sich zu beschleunigen. Außerdem, so zeigen neue Studien etwa aus der Schweiz, steigt bei älteren Menschen mit HIV das Risiko für typische Alterserkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs. Entscheidende Faktoren dafür sind die Menge der Viruspartikel im Blut, Rauchen, Drogengebrauch und die Dauer der HIV-Infektion, berichten Barbara Hasse und ihr Team von der Universität Zürich im Fachjournal "Clinical Infectious Diseases".
Auslöser sind Bakterien, Pilze, Parasiten oder Viren, die durch ungeschützten Verkehr übertragen werden. zum Video
Davon weiß auch der Berliner Arzt Christoph Mayr zu berichten. Er arbeitet seit vielen Jahren in einer der größten Fachpraxen in Berlin, die mehr als 800 HIV-Patienten betreut. "Der Anteil der Patienten über 60 Jahren liegt bei mehr als zehn Prozent. Das haben wir vor zehn Jahren noch nicht gehabt. Aber wir sehen die Leute nicht nur älter werden, sondern sie bekommen im Vergleich zu Gleichaltrigen auch früher Alterserkrankungen." Möglicherweise, so Mayr, werde die bessere Lebenserwartung mit einer Anfälligkeit für diese Altersleiden erkauft. 75 Prozent der HIV-Patienten hätten laut einer Studie mindestens zwei weitere schwere Erkrankungen.
Doch Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden oder Osteoporose sind nicht die einzigen Probleme. Mayr stellt bei vielen älteren Patienten eine Tendenz zu Vereinsamung und Isolation fest. "Der Anteil derer mit depressiven Verstimmungen ist recht hoch", berichtet Mayr. Längst nicht alle hätten ein stabiles Umfeld, dem sie sich anvertrauen könnten. Viele zögen sich zurück. Vor allem Homosexuellen fehle die alte Community. "Hier entstehen schon neue Wohnformen, Alters-WGs, als Antwort auf das singuläre Dasein." Aber auch heterosexuelle Betroffene haben Schwierigkeiten, etwa bei der Partnersuche in höherem Alter. Ein weiteres Problem für viele der älteren HIV-Positiven: das Geld. "Die, die jetzt mit HIV alt werden, haben größtenteils nicht lange genug gearbeitet. Die meisten leben von Hartz IV", weiß Mayr. HIV-positiv und arm - keine gute Voraussetzung, um Isolation zu überwinden.
Nach aktuellen RKI-Schätzungen sind derzeit in Deutschland etwa 73.000 Menschen HIV-infiziert. Das Gros davon sind Männer, die Sex mit Männern haben (45.000). Die Zahl der HIV-Neuinfektionen geht stetig zurück: Rund 2700 Menschen haben sich im laufenden Jahr in Deutschland angesteckt, 2006 waren es noch 3400. "Eine höchst erfreuliche Nachricht", kommentierte die Deutsche Aids-Hilfe den Rückgang, der vor allem besserer Prävention und frühzeitiger Behandlung zuzuschreiben sei. "Die neue Entwicklung zeigt: Entängstigung und Prävention stehen nicht zueinander im Widerspruch." John sagt es so: "Es gibt bei uns gute Medikamente. Man kann damit leben. Aber es ist nicht egal und nicht zu unterschätzen. Und deshalb gibt es Verhaltensregeln - man fährt ja auch nicht als Geisterfahrer auf der Autobahn."
Quelle: dpa
denker schrieb:
am 1. Dezember 2011 um 17:07:17
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hiv
es werden noch ganz andere Viren und Bakterien beim Sex übertragen..hiv übrigens auch schon beim Küssen, also die schlimmsten
Fantasien müssen nicht sein und das ist ja eigentlich das Gefährliche!!!!!
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Sylvia B. schrieb:
am 1. Dezember 2011 um 14:00:49
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AÍDS
Wichtig in der heutigen Zeit ist, unseren KIndern immer wieder zu sagen:"NEHMT ein KONDOM!" Menschen die damals wegen
Blutübertragungen an AIDS erkrankt sind, können nichts dafür. Aber man kann was dafür, wenn man in der heutigen Zeit sich auf einen Menschen einläßt ohne KONDOM!!!
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Claus schrieb:
am 1. Dezember 2011 um 13:42:42
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HIV
Dazu gibt es nur eines zu sagen. Wenn jeder so lebt, wie es eigentlich normal wäre, würde es diesen ganzen Sch... doch gar nicht
geben. In der westlichen Welt hat jeder die Möglichkeit sich richtig zu verhalten. In der dritten Welt ist es sehr schwierig, kaum zu essen, schlechte Hygiene und eine Überbevölkerung- Außerdem so gut wie keinen Schutz und keine Aufkärung. Wer hat den in der Westl. Welt meistens AIDS? Drogenabhängige und Homos, oder? Früher war es die Pest, heute ist es AIDS
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