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"Öko-Test": Fast alle Multivitaminpräparate fallen durch

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Fast alle Multivitaminpräparate fallen im Test durch

28.01.2008, 14:40 Uhr | ug, cme

Ob Brausetabletten, Pillen oder Kapseln: Multivitaminpräparate fallen im Test durch.  (Foto: imago)Ob Brausetabletten, Pillen oder Kapseln: Multivitaminpräparate fallen im Test durch. (Foto: imago)Bestens versorgt mit Vitaminen "von A bis Z"?Ob in Form von Pillen, Kapseln oder Tablette: Fast jeder dritte Deutsche greift zu Nahrungsergänzungsmitteln. Doch eine aktuelle Untersuchung von Öko-Test zeigt: Fast alle Vitaminpräparate sind zu hoch dosiert. Lediglich eins von insgesamt 25 getesteten Mitteln entspricht den empfohlenen Tagesdosis des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Alle anderen fallen durch. Wer regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel konsumiert, riskiert mehr Schäden als Nutzen, so die Tester. Wir sagen Ihnen, wann Überdosierung gefährlich wird und worauf Sie rund um Vitamine achten sollten.




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24 Produkte enthalten zu viel Vitamin A

Der Hauptkritikpunkt der Tester: Bis auf den Testsieger "Nutrilite Einmal Täglich, Tabletten" von Amway überschreiten alle Präparate die empfohlene Tagesdosis von 0,4 Milligramm Vitamin A und 17 Milligramm Niacin. Ein Produkt fällt hierbei besonders negativ auf: "Supradyn Recharge-Formula, Brausetabletten" von Bayer Vital enthält nicht nur zu viel Vitamin A und Niacin, sondern auch zu viel B1, B2, B6, Biotin und Folsäure. Auch die Überdosis an Spurenelementen wie Eisen, Zink, Jod oder Fluorid beklagen die Tester in den Präparaten. Auf deren Einnahme empfiehlt das BfR nämlich grundsätzlich zu verzichten, da der tägliche Bedarf meist ausreichend mit der Nahrung gedeckt werde.

Wie Überdosis schaden kann

Wer regelmäßig zu viel der fettlöslichen Vitaminen A, D und ß-Carotin aufnimmt, riskiert gesundheitliche Probleme. Denn sie reichern sich im Körper an und können bei langfristiger Überdosierung sogar zu einem früheren Tod führen. Auch Mineralstoffe wie Kupfer können auf die Dauer die Leber schädigen, und Fluoridüberdosierungen führen schlimmstenfalls zu einer mangelnde Elastizität der Knochen, so das Verbrauchermagazin. Bei Eisen gilt: "Zu gut gefüllte Eisenspeicher werden mit der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht." Übrigens gilt dies nur bei künstlichen Nährstoffen. Natürliche Vitamine in Lebensmitteln können nicht überdosiert werden.

Zu wenig Calcium und Magnesium

Ein weiteres Ergebnis: Während in den meisten Produkten einige Vitaminen und Spurenelemente enthalten sind, kommt man bei anderen längst nicht auf die empfohlene Tagesdosis. Dies gilt besonders für Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Phosphor. So deckt das Apothekenprodukt "Eunova Langzeit-Multivitamin, Kapseln" von GlaxoSmithKline gerade mal 3,5 Prozent des Tagesbedarf an Calcium und Magnesium, bei Phospor sind es sogar nur 2,7 Prozent. Auch "Abtei A-Z Complete Langzeit-
Vitamine + Mineralien, Kapseln", "Doppelherz Aktiv A-Z Depot Langzeit-Vitamine, Tabletten" von Queisser (Drogerie), "OmniVit A-Z Compact Depot, Kapseln" von Penny sowie "Taxofit A-Z, Chrono Depot, Tabletten" von Klosterfrau und "Sanct Bernhard A-Z Kapseln" von Kräuterhaus Sanct Bernhard (Versand) sind bei mindestens einem Bestandteil zu niedrig dosiert und erhalten dafür Punktabzüge der Tester.

Kein Vitaminmangel in Deutschland

Generell weisen Wissenschaftler immer wieder darauf hin, dass für gesunde Erwachsene Vitaminpräparate überflüssig sind. "Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass die meisten Altersgruppen die Referenzwerte für die Vitaminzufuhr im Durchschnitt erreichen", so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Auch der Mythos, dass in Obst und Gemüse heutzutage kaum noch Vitamine enthalten seien, wird von den DGE-Experten ins Reich der Märchen verwiesen. Nur Risikogruppen wie Schwangere, Stillende oder ältere Menschen mit einem schlechten Ernährungszustand brauchen eventuell zusätzliche Nährstoffe. Diese sollten dann aber gezielt verordnet werden und nicht willkürlich durch Multivitaminpräparate bekämpft werden, rät die Verbraucherzentrale Hamburg.

"Verbraucher in diesem Bereich nicht geschützt"

Doch wieso können die Hersteller überhaupt so hohe Dosen an Vitaminen in ihre Produkte packen? Das Problem: Die empfohlenen Höchstmengen des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind rechtlich nicht bindend. Zwar sind gesetzliche Grenzwerte EU-weit in Planung. Bis dahin könnten aber noch Jahre vergehen. Tatsächlich bestätigte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) kürzlich in einem WISO-Beitrag: "Der Verbraucher ist in diesem Bereich zur Zeit nicht geschützt", so Bernhard Kühnle vom BMELV. Im Klartext heißt das: Da es zurzeit noch keine gesetzlichen Grenzwerte gibt, muss der Verbraucher selbst darauf achten, nicht zu viele Vitamine aufzunehmen.


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