
22.07.2008, 14:09 Uhr | Sonja Vukovic
Zurückzuschlagen, das sei für ihn nie in Frage gekommen. "Ich wollte die Familie, die ich da hatte, unbedingt zusammenhalten", sagt er. Erst nach neun Jahren, als die Frau ihn mit Glassplittern verletzte, wagte W. den Weg zum Familiengericht. Das aber gab das Kind in die Obhut seiner Ex-Freundin - trotz eines psychologischen Gutachtens, in dem die Mutter Übergriffe auf den Vater auch vor der damals Vierjährigen eingeräumt hatte. Herr W. "habe eine Art, sie an ihre Grenzen der Wut und darüber hinaus zu bringen", wird in der Expertise attestiert.
1976 eröffnete das erste Frauenhaus - inzwischen sind es mehr als 400 bundesweit. Sie alle werden staatlich gefördert und für die Gesellschaft ist der Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt durch die Solidargemeinschaft längst selbstverständlich. Aber ein "Männerhaus" fördern? So etwas sei "angesichts endlicher Haushaltsmittel nicht gerechtfertigt", erklärt Andreas Aumann, Pressereferent im Bundesfamilienministerium.
Experte Bastian Schwithal wirft der Politik vor, "den wissenschaftlichen Erkenntnissen nur wenig Beachtung schenken zu wollen": "Bei den meisten Untersuchungen zum Thema der häuslichen Gewalt werden immer noch ausschließlich die Gewalthandlungen vom Mann gegenüber seiner Partnerin untersucht." Bundesweit hielten für das Jahr 2006 nur die Landeskriminalämter Brandenburg, Hessen, Saarland und Berlin den Anteil weiblicher Tatverdächtiger bei innerfamiliärer Gewalt fest: Bei den über 21-Jährigen lag er bei 13, 3 und 11,6 beziehungsweise 20,01 und 22,2 Prozent.
Die Auswertung qualitativer Interviews mit betroffenen Männern, erklärt Partnerschaftssoziologe Schwithal, habe ergeben: Den Frauen gehe es um das Streben nach Macht und Kontrolle der Beziehung, sagt er. Vor allem Männer, die sich in finanzieller und emotionaler Abhängigkeit zu ihren Lebensgefährtinnen befinden, sind gefährdet, Opfer psychischer und physischer Gewalt in der Partnerschaft zu werden. Diese Männer verdrängen demnach zumeist die Gewalthandlungen, aufgrund der "Unvereinbarkeit von Mann- und Opferrolle": "In der Folge leiden sie dann an Depressionen, Schlaf- und Appetitlosigkeit sowie Angstzuständen." Und das wiederum verfestige die Stellung der Frau als stärkerer Part der Beziehung - und somit den Konflikt.
Eine Oldenburger Baugesellschaft erklärte sich 2002 bereit, dem Verein Männerwohnhilfe e.V. für ihr Vorhaben eine Wohnung kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Mehr als 40 Männer fanden in dem Dreizimmerappartment seither ein sicheres Zuhause. Zahlen mussten sie nur die Nebenkosten in Höhe von 70 Euro pro Woche. Ein vergleichbares Projekt gibt es nur an der Spree. In seinem Reihenhaus am Rande von Berlin Spandau gewährt Diplom-Sozialpädagoge Horst Schmeil seit 1995 Hilfesuchenden Asyl. Nach der Trennung von seiner Frau gründete der Pädagoge die Initiative "Väteraufbruch für Kinder", einen Verein, der dafür kämpft, dass Männer einer gescheiterten Partnerschaft gleichberechtigte Erziehungspartner bleiben.
Das Männerbüro Berlin, eine ambulante Beratungsstelle für Männer mit Beziehungskonflikten, vermittelt seit 1997 Hilfesuchende aus der ganzen Bundesrepublik an das "Männerhaus", bislang sollen es rund 600 gewesen sein. Um Zuschüsse vom Senat hat sich Horst Schmeil vergeblich bemüht. Deswegen zahlten die Mitbewohner etwas zur Miete dazu oder kauften ein - mal mehr, mal weniger, sagt der 66-Jährige. Zur Finanzierung des Männerhauses reicht das nicht. Nach 13 Jahren steht das Haus jetzt kurz vor der Zwangsversteigerung. In Oldenburg dagegen ist die Situation entspannter, die Bilanz erfreulich: Zwei Drittel der Betroffenen, die das Angebot nutzten, waren nach durchschnittlich drei Monaten Aufenthalt in der Lage, eine eigene Wohnung zu beziehen und die Beziehungskonflikte zu klären. "Die Vereinskassen sind gut gefüllt. Wir planen, bald eine zweite Wohnung zu eröffnen", sagt Reiner und klingt zufrieden.
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Quelle: Spiegel Online
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